
13. Oktober 2025
Kurz nach acht rollen wir über die Calle 10 raus aus Bogotá, schön war’s. Montag, Feiertag – kaum Verkehr! Auf nach Zipaquirá.
Unser Ziel: die Catedral de Sal.
Ich kann es kaum erwarten, diese Kathedrale und die in Nemocón wiederzusehen. Vor zehn Jahren waren wir schon einmal hier – und damals restlos begeistert.
Der Kreuzweg in der Catedral de Sal
Der Weg durch die Catedral de Sal führt 180 m tief in das alte Salzbergwerk, ein symbolischer Kreuzweg mit 14
Stationen, die den Leidensweg Jesu darstellen. Jede Station ist in den Fels geschlagen, schlicht, aber eindrucksvoll beleuchtet, teils mit großen Salzkreuzen oder Reliefs.
Das Spiel von Licht, Schatten und Stille macht den Rundgang zu einem besonderen Erlebnis – spirituell, künstlerisch und fast magisch. Am Ende öffnet sich die gewaltige Hauptkathedrale, in der alles in blauem Licht schimmert.
Was hat sich zu 2015 verändert?
Alles ist durchorganisiert. Im Untergeschoss wimmelt es von Souvenirläden und Cafés. Sogar zwei kleine Museen sind untergebracht – beide sehenswert. Zurück wird der Tourist per Disney-Bahn gefahren.
Kurz vor zwölf, alles ganz entspannt. Zeit, nach Nemocón weiterzufahren, nur etwa 20 km von hier.
Vor dem Museo Mina de
Sal stehen gerade einmal vier Autos. Perfekt, nichts wie rein! Die nächste Führung startet in sieben Minuten.
Passt!
Im Unterschied zu früheren Touren beginnt die Führung heute im Museum. Dort erklärt der Guide während einer rund
40-minütigen Einführung die Entstehung des Salzes in der Sabana von Kolumbien. Anschaulich wird erläutert, wie sich die Salzlagerstätten über Millionen von Jahren durch
geologische Prozesse bildeten.
Anschließend führt der Rundgang 48 Meter tief hinunter in die ehemalige Salzmine. Bereits beim Betreten beeindruckt die besondere Atmosphäre des unterirdischen Raums. Die Salzbecken sind aus Sicherheitsgründen nur noch etwa 80 Zentimeter tief, doch der Spiegeleffekt des Wassers erzeugt eine eindrucksvolle optische Wirkung. Die Beleuchtung ist dabei besonders wirkungsvoll gestaltet; die Farben sind gezielt eingesetzt und betonen die Struktur des Salzes auf eindrucksvolle Weise.
Der Guide zeigt uns, je nachdem wie wir das Handy benutzen, dass ganz andere Fotos entstehen.
In dieser Mine wurde das Grubenunglück aus dem Jahr 2010, welches sich in San José, Chile, ereignete, verfilmt. "Los 33" Hauptdarsteller war Antonio Banderas. Der Raum, in welchem die 33 Kumpels, 69 Tage bis zu ihrer Rettung, ausharrten, ist noch in einem nachgebauten Stollen zu sehen.
Der Deutsche Alexander von Humboldt kam 1801 zu seiner zweiten Südamerika Expedition nach Bogota und zeigte den Kolumbianern, wie man sichere Stollen baut. 1990 wurde die erste Ebene für den Salzabbau geschlossen. Sie ist seit 2005 als touristische Attraktion zugänglich.
Die beiden dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Der Brunnen
Der Brunnen entstand durch die Ansammlung gesättigter Sole. Sobald das Wasser das salzhaltige Gestein durchdringt, kann es aufgrund seiner hohen Dichte nicht weiterfiltern. Der Druck der Sole stabilisiert gleichzeitig die umliegenden Salzsäulen.
Mit einem Salzgehalt von rund 30 % und einer Dichte von 1,24 kg pro Liter ist die Sole stark konzentriert – der Verzehr wäre tödlich, und direkter Kontakt mit den Augen kann zur Erblindung führen.
Der Brunnen wirkt flach, ist aber über drei Meter tief. Diese optische Täuschung entsteht durch Lichtbrechung im Wasser. Da der menschliche Körper eine geringere Dichte hat, bleibt man in der Sole an der Oberfläche.
Würde man in den Brunnen steigen, würde man bereits ab den Knien im Wasser „schweben“. Aufgrund der extremen Salzkonzentration könnte man darin jedoch nur wenige Minuten überleben.
Dann geht es zum „Herzstück“ der Mine: Das 1.600 kg schwere Kristal-Salzherz
Stalaktiten
An der Decke der Mine bilden sich Stalaktiten, wenn salzhaltiges Wasser langsam verdunstet und dabei Salzkristalle zurücklässt. So entstehen im Lauf der Zeit beeindruckende Salzgebilde, die von der Decke herabwachsen. 1 Zentimeter in 1-3 Jahren.
15. Oktober 2025
Es geht nach Villa de Layva. eine der schönsten und bestbewahrten Kolonialstädte Kolumbiens. Gegründet im Jahr 1572, liegt sie malerisch in den Bergen des Departamentos Boyacá.
Unser erster Tag beginnen wir mit einem Spaziergang durch die schönen, sauberen gepflasterten Gassen, mit ihren alten Kolonialgebäuden. Fast alle mit hübschen Balkonen, viele mit Blumen behangen.
Die Plaza Mayor von Villa de Leyva ist das stolze Herz des Ortes, mit 14.000 m² der größte gepflasterte Platz Südamerikas. Umrahmt von weißen Kolonialhäusern, kleinen Cafés, Restaurants und Handwerksläden verströmt sie eine fast magische Ruhe.
Dunkle Wolken türmen sich am Himmel, der Donner grollt bedrohlich in der Ferne.

Abends, wenn die Sonne hinter den Bergen versinkt, taucht warmes Licht die alten Mauern in goldene Farben, ein Ort, an dem wir gerne ein paar Tage verweilen.
15. Oktober 2025
Gegen halb zehn machen wir uns auf die Socken. Drei Dinge haben wir uns für heute vorgenommen: die Casa Terracota, die Pastelería Francesa und gutes Essen.
Die knappen drei Kilometer schaffen wir in einer halben Stunde, und stehen vor geschlossener Schranke. Der Wärter erklärt: „Letzte Woche hatten wir die ganze Zeit geöffnet, wegen der Ferien und des Feiertags. Deshalb ist diese Woche geschlossen!“ Super. Natürlich ärgere ich mich; schließlich war es, neben den Salzminen, das, was ich unbedingt noch einmal sehen wollte. Mist! Bruno grinst nur: „ Nimm die Fotos vom letzten Mal!“ Okay….
Hier mein Text von 2015
Das Casa Terracota wurde 1999 vom einheimischen Architekten Octavio Mendoza erbaut. Seine Formen, Farben, Texturen, die vielen kleinen, filigranen Details, die Aufteilung der Räume, die vielen Lichtquellen, welche von den Dachfenstern herabfallen,die farbigen Steinmosaike in den Nasszellen machen dieses Haus zu einem Erlebnis. Wow!
Die Casa Terracota ist ein einzigartiges Haus aus gebranntem Ton, das komplett aus Lehm gebaut wurde, von den Wänden bis zu Möbeln und Dekoration und gilt als das größte Tongefäß der Welt.
Frustriert marschiere wir (ich) nun die Calle 10 hinauf zur Pastelería Francesa. Immerhin gibt es hier nach wie vor die leckeren Éclairs und Millefeuilles. Wir begnügen uns aber mit einem Cappuccino und Bruno nimmt ein „Mandulgipfeli“ dazu. Natürlich lassen wir uns dann Éclairs und Co. zum Mitnehmen einpacken.
An den Wänden hängen wunderschöne Fotos von Paris. Beim Deux Chevaux bekommt mein lieber Mann gleich glänzende Äuglein – sein Traumauto!

Nächste Station: Panadería Astral. Hier gibt es die besten Baguettes Südamerikas. Wir kaufen gleich von jeder Sorte – normal, integral und masa madre. Wieder zu Hause müssen wir allerdings feststellen: Alle sind schon weich, nichts mehr von knusprig.
Auf dem Rückweg spazieren wir die Calle 9 entlang und kommen am „Barrio“ der Gutbetuchten vorbei. Leider liegen die Häuser alle hinter hohen Mauern verborgen.
18. Oktober 2025
Wir versuchen es noch einmal mit der Casa Terracota, aber diesmal rufen wir vorher an, ob geöffnet ist. „¡Claro que sí!“, lautet die Antwort. „Abierto desde las 09:30.“ Bueno! So haben wir genug Zeit. Wir packen zusammen, bezahlen 240.000 COP
(ca. 49 CHF) – viel zu teuer für den Platz – und fahren zu einem kostenlosen parqueadero, vier cuadras von der Plaza Mayor entfernt.
Wir machen die Schotten dicht und marschieren wieder per pedes zur Casa
Terracota.
Bauzeit fast 20 Jahre.
Was sich wohl verändert hat? 12 Audio-Stationen erklären in sechs verschiedenen Sprachen, cool.
Schon beim Eintreten fällt etwas sofort auf: überall Hinweisschilder: nicht benützen, nicht anfassen, nicht öffnen, nicht hochsteigen.
Die Casa Terracota ist komplett aus Lehm gebaut – kein Beton, kein Stahl, nur Sonne, Erde und Hände, die jedes Detail geformt und gebrannt haben. Entstanden ist ein fantasievolles Haus, das eher an ein Kunstwerk erinnert: runde Wände, geschwungene Bögen, und jedes „Zimmer“ mit viel Charme und natürlichem Licht gestaltet.
Küche mit Esstisch
Hier für den Abwasch
Schlafzimmer und Gästezimmer
Duschen, WC
Selbst die Treppen sind handgeformt, keine gleicht der anderen.
Auch Dach und Dachterrasse... einfach nur schön.
Überall gibt es besondere Formen und Figuren zu entdecken.
Es hat sich definitiv gelohnt, noch einmal herzukommen – ein sehr spezielles Haus.
Zurück geht es ins Zentrum von Villa de Layva, wo am Samstag der große Mark stattfindet. Eine bunte Vielfalt – nur die Erdbeeren hätten wohl noch ein paar Tage Sonne gebraucht.
Da wir schon seit geraumer Zeit (fast) keine Würste mehr essen – eine St. Galler Bratwurst macht natürlich eine Ausnahme, und eine gute Cervelat auch –, spazieren wir zurück in die „Ess-Calle“, wo wir etwas finden, das eher auf unserer Linie liegt.
Retour zum PeMo geht’s über die Plaza Mayor – natürlich nicht, ohne in einer Pastelería vorbeizuschauen.
Dürfte auch ein älterer Jahrgang sein.
19. Oktober 2025
Die Nacht genauso ruhig, wie auf dem „Campingplatz“, aber…GRATIS!
Es wird Zeit weiterzufahren. Auf der Ruta 60 geht es nordwärts. Erster Stopp schon nach 5 Kilometern.
Hier gibt es gleich zwei faszinierende Museen, die uns in die Urzeit entführen – rund 120 bis 130 Millionen Jahre zurück, als hier noch ein tropisches Meer lag.
Das Museo Paleontológico:
Genau an der Strasse gelegen, in einem alten Kloster aus dem 16. Jahrhundert, präsentiert dieses Museum zahlreiche kleinere Fossilien – Ammoniten, Fische, Pflanzen – und erklärt die geologische Geschichte der Region.
Hier ist der Plitosaurier das Hauptthema
🔹 Pliosaurier sind eine Untergruppe der Plesiosaurier: kräftige, kurzhalsige Meeresreptilien mit riesigem Schädel und kräftigen Kiefern – Spitzenräuber der Kreidezeit.
Bestimmt ein gefährlicher Zeitgenosse.
Museo El Fósil:
Der Monquirasaurus – ein bedeutendes Fossil Kolumbiens
Im Museo Comunitario El Fósil in Monquirá (Boyacá) ist das vollständig erhaltene Skelett des Monquirasaurus boyacensis zu sehen, eines meeresbewohnenden Reptils, das vor rund 110 Millionen Jahren lebte.
Das Fossil wurde 1977 in der Region entdeckt und gilt als eines der am besten erhaltenen Exemplare seiner Art weltweit. Dank außergewöhnlicher Erhaltungsbedingungen blieb das über acht Meter lange Skelett nahezu vollständig.
Sah das vor 10 Jahren doch viel einfacher aus.
Auf einer kurvigen Strecke mit „geologischen Tiefschlägen“ – also Erdsenkungen und Bodeneinbrüchen...
... geht es in Richtung Barichara. Das ist jedoch zu weit, also peilen wir einen Platz hinter einer Kirche an. In der Ortschaft ist gerade eine laute Fiesta in vollem Gang. Gut ist es erst 16 Uhr.
Die Ortschaft ist klein, nur ein paar Häuser – aber die Kirche feiert offenbar jeden Abend Disco!😄
20. Oktober 2024
Die restlichen 83 Kilometer schaffen wir in drei Stunden. Auch in Barichara hat sich vieles verändert – und doch ist es nach wie vor ein Ort zum Verlieben.
Waren vor Jahren nur ein paar Autos unterwegs, sind heute die Gassen voll damit, dementsprechend haben wir doch so unsere liebe Mühe um hoch zum Mirador zu kommen.
Auf unserem ersten Rundgang kommen wir am Hauptfriedhof vorbei. Angezogen von den vielen kunstvollen Steinmetzarbeiten gehe ich hinein. Wie schön ist das denn! Noch nie haben wir einen so beeindruckenden Cementerio gesehen.
Der Friedhof von Barichara ist weit mehr als ein Ort der Ruhe – er ist ein Freilichtmuseum der Steinmetzkunst. In den hellen Sandstein gehauene Kreuze, Skulpturen und Gravuren erzählen von der handwerklichen Tradition des Ortes und von den Menschen, die hier lebten. Beispielsweise findet man Gräber, bei denen kleine Figuren oder Symbole in Stein gehauen wurden, die den Beruf oder das Leben des Verstorbenen darstellen — z. B. Instrumente, Werkzeuge, Kreuzformen, Reliefs.
Schon wieder im Restaurant? Tja, irgendwer muss ja die Gastronomie am Laufen halten! Wir waren die einzigen Gäste. War aber auch noch früh!
21. Oktober 2025
Wir bleiben noch einen Tag, es ist zu interessant und schön hier.
Ich lasse wieder einmal die Drohne steigen. Aus der Vogelperspektive erkennt man gut, wie die Häuser in Barichara gebaut sind – mit ihren geneigten Ziegeldächern, den traditionellen Lehm- und Steinmauern und den Terrassen am Hang. Der Patio (Innenhof) erscheint meist als grünes Zentrum des Hauses – ein offener Raum für Licht, Luft und Wohlgefühl.
22. Okrober 2025
Mit etwas Wehmut verlassen wir heute Morgen, das wunderschöne Barichara - auch hier mit dem Wissen, wir kommen nie mehr
zurück.
Diesmal haben wir uns ganz genau angeschaut, wo wir langfahren: zuerst die Calle 1,
dann die 4, dann die 7 – und schließlich auf die Carretera 5, die uns hinunter ins Tal führt.
Alles lief wie am Schnürchen – bis auf das kleine Detail, dass wir unterwegs ein
Telefonkabel abrasiert haben. 😱
Auf der 45A rollen wir Richtung Bucaramanga. Der Verkehr läuft flüssig... immer wieder begleitet von einem kurzen Tuut und einem freundlichen "Daumen hoch“ aus dem Fenster.“ 🚗👍
Hinter Bucaramanga beginnt dann der kurvenreiche Aufstieg zum Cañón del Chicamocha.
Den gleichnamigen Nationalpark lassen wir diesmal links liegen – wir waren ja schon zweimal dort. Stattdessen machen wir uns direkt auf die Talfahrt. Die Kurven sind so genial, dass ich kurzerhand die Drohne steigen lasse. 🚁
Plötzlich: Stau.
Nichts geht mehr. Dreißig Minuten stehen wir, dann endlich Bewegung – aber nur für einen Kilometer. Dann wieder Stillstand. Jetzt dauert’s. Gotthard-Feeling kommt auf: „Zehn Kilometer Stau, eine Wartezeit von einer Stunde und dreißig Minuten!“ Wir fragen nach. „Ein Unfall!“, heißt es. Na toll.
Als es nach fast zwei Stunden weitergeht, sehen wir von einem Unfall weit und breit gar nichts. Nur eine kleine, völlig chaotische Baustelle, die die Typen offensichtlich nicht im Griff haben.
Wir rollen weiter bis zur nächsten Tankstelle und verkriechen uns dort in die hinterste Ecke. Ich steige aus, um Bruno einzuweisen – da höre ich plötzlich etwas
Unverkennbares: Aras! 🦜
Sofort: Kamera raus und auf Vogelsuche! Das Ganze dauert eine Weile, bis ich sie endlich vor der Linse habe – die Dämmerung hatte da schon längst eingesetzt.
24. Okrober 2025
Heute steht der Monolith El Peñón de Guatapé 🪨 auf dem Programm. Von unserem Schlafplatz aus sehen wir nur den Gipfel.
Wir sind früh unterwegs. Google Maps führt uns – wieder einmal – an die falsche Stelle, und wir landen beim Personaleingang.
Dafür sehen wir den Monolithen aus dieser Perspektive – auch nicht schlecht.
Der Fels wurde 1954 zum ersten Mal bezwungen, damals noch mit Holzleitern.
In den 1970er-Jahren entstand die heutige Treppe – eine kühne Konstruktion, die aus dem einst unbezwingbaren Monolithen eine Attraktion für Tausende von Touristen machte….
(Nur weil andere Reisende versichert hatten, dass die Treppe absolut „höhenansgt-tauglich“ ist, war mein lieber Mann bereit, dort hinaufzusteigen.)
Hier wollen wir rauf!
...Dessen bewusst stehen wir kurz nach acht am Ticketschalter. (Unsere 10-Minuten-Anstehtoleranz ist hinfällig – wir sind die Einzigen.) Rabatt für uns Alte gibt’s keinen, und der Lift ist heute auch kaputt. 😉😉😂😂
Also: Füße unter die Arme nehmen und los geht’s! Mit vier Verschnaufpausen und ein paar Fotostopps schaffen wir den Aufstieg in 15 Minuten – tolle Leistung, muss sogar ich zugeben.
Die Aussicht ist fantastisch: Bis weit zum Horizont tauchen immer wieder kleine Inseln im Embalse del Peñol (Stausee) auf.
Auf einer dieser Inseln hatte die Schwester von Pablo Escobar, Manuela, ihre Finca. Sie kann heute besichtigt werden – wir lassen es bleiben. Zu viel Disneyland.
15 Minuten Fotos und Selfies – hahaha – dann wieder abwärts. Zwar deutlich einfacher, aber zeitlich länger, da wir wegen der engen, steilen und faszinierenden Passagen öfter anhalten. Wahnsinn, was sie da gebaut haben! Die 🪜 – fast interessanter als de Monolith selber.
Bereits wieder startklar, rollen die Touristenbusse auf den Parkplatz und entladen die heutige Welle von Besuchern.
Bis zum Camping La Bosque sind es nur 67 Kilometer.
Wir brauchen fast drei Stunden – viel Verkehr, enge Straßen und zum Schluss noch die Fahrt durch den „Bosque“ (Wald) mit einer 4-Tonnen-Beschränkung.
Super!
Die Begrüßung durch die vier Hunde ist stürmisch. Einparken geht nicht, ohne dass wir den Rasen umpflügen – alles ist durch-weicht vom vielen Regen.
Warum wir hier sind? Nun, Reisende haben uns Medellín empfohlen – vor allem die Tour durch die Comuna 13.
Also informieren wir uns: Wetter, Tourguide, Hotel! Wettermäßig wäre es Morgenvormittag ideal. Also, sollten wir noch heute hinunter in die Stadt. Wir buchen bei GetYourGuide eine Tour.
Diese startet im Quartier "El Poblado". Schnell finden wir ein geeignetes Hotel. Auch dieses ist pronto gebucht. Letzte Hürde: wie kommen wir in die
Stadt?
Drei Optionen, Preise für zwei Personen:
1. Bus – Seilbahn – Metro → Preis unbekannt, Zeit ca. 2 Std.
2. Bus – Metro → 9.000 + 7.000 Pesos, ca. 1½ Std.
3. Uber oder Taxi → 60.000 Pesos, rund 1½ Stunden.
Da es gerade schüttet – ein richtig heftiges Gewitter – fällt die Seilbahn buchstäblich ins Wasser. Die Sicht ist vermutlich gleich null, und wer weiß schon, ob die Kabinen überhaupt Blitzableiter haben? 🤷🏼♀️😉 (Sie war sowieso nicht in Betrieb)
Wir warten also ab, bis der gröbste Regen vorbei ist, und stellen uns dann an den Straßenrand. Der Plan: einfach den nächsten Collektivo anhalten, der mit Santa Elena angeschrieben ist. Nach fünf Minuten sitzen wir im Kleinbus.
In einer rasanten Fahrt bringt uns der Chauffeur hinunter – er gibt während der Fahrt Tickets raus, zählt Rückgeld ab, spricht ins Headset, schaltet die Gänge und weicht Motorradfahrern aus. Wahrlich: Multitasking auf hohem Niveau!
Unten angekommen, beginnt die Sucherei nach dem Anschluss Richtung El Poblado. Wir fragen uns durch – aber ausschließlich bei „seriösen“ Leuten: Kleinhändler, Polizisten, Sicherheitsleute. Denn wir befinden uns im gefährlichsten Viertel von Medellín.
Von A nach B geschickt: drei cuadras hoch, eins links, dann wieder zwei zurück, eins rechts… Verwirrung pur! Ich fragte ständig nach dem Bus, der nach El Poblado fährt und bei der Metrostation hält – ohne zu wissen, dass hier die Metro durchfährt!
Also was jetzt? Bus oder Metro?
Nach einigem Herumirren (und vielen Schweißtropfen) stehen wir schließlich vor der Metrostation. Karte kaufen – und schon sitzen wir im Trockenen, rauschen ab ins Zentrum der Gutbetuchten.
Das Hotel, nur 500 m von der Metro entfernt, finden wir auf Anhieb. Check-in – natürlich ohne Pässe! Das sorgt kurz für Hektik, weil der Mann an der Rezeption den Einreisestempel sehen will. Zum Glück hatte Bruno ein Foto vom TIP gemacht. Wir sind echt keine Stadtmenschen… 🙈🙈🙈
Inzwischen knurren die Mägen. Also ChatGPT befragt, Restaurant gefunden, und los geht’s ins Boehmian. War gut – aber Brunos Pizza eher im US-Stil, also mit schlabberigem Teig. Gut habe ich mich für Pasta mit Meeresfrüchten entschieden!
Danach geht’s durch unzählige Essensstände zurück ins Hotel – satt, müde, aber zufrieden.
25. Oktober 2025
Ab sieben gibt es Frühstück. Natürlich stehen wir viertel nach sieben auf der Matte. Ein Tisch ist schon besetzt. Vertraute Laute, Musik in meinen Ohren: ein breites" Bärndütsch, schöner geiit’s nid“.
Wir stellen uns vor, setzen uns zu ihnen und genießen mit den Thunern das Frühstück. Die Zeit vergeht viel zu schnell – wir müssen los, die Comuna 13 wartet.
Viertel vor neun stehen wir beim Sammelpunkt an der Metrostation Poblado.
Unsere Gruppe besteht aus 13 Leuten: Franzosen, Kanadiern, Amerikanern, Slowenen, Holländern – und uns Schweizern. Alle sind pünktlich.
Wir bekommen Karten für den ÖV, und los geht’s mit der Metro – zur Seilbahn (Medellín hat sechs davon!).
Mit der Seilbahn fahren wir bis zur ersten Station, steigen aus und bekommen die Geschichte Medellíns erklärt, mit Blick auf die Stadt und die Umgebung.
Medellín wurde 1616 von spanischen Kolonisten gegründet und liegt im Aburrá-Tal der Anden. Lange war die Stadt ein ruhiges Zentrum für Landwirtschaft und Handel.
Im 20. Jahrhundert wuchs Medellín rasant – vor allem durch die Textilindustrie und später als wirtschaftliches Zentrum Kolumbiens. Doch in den 1980er- und 1990er-Jahren geriet die Stadt in die Schlagzeilen: Das Drogenkartell um Pablo Escobar machte Medellín zur gefährlichsten Stadt der Welt. Gewalt, Armut und Korruption prägten das Leben vieler Bewohner.
Seit den 2000er-Jahren hat sich Medellín jedoch tiefgreifend verändert. Durch soziale Projekte, Bildung, Kunst und moderne Infrastruktur – etwa das Metro- und Seilbahnsystem (Metrocable) – wurde die Stadt zu einem Symbol des Wandels und der Hoffnung.
Heute gilt Medellín als innovative, kreative und lebensfrohe Metropole, bekannt für ihre freundlichen Menschen, bunte Straßenkunst und den Aufstieg der Comuna 13 vom Problemviertel zum kulturellen Herz der Stadt.
Die Seilbahn bringt uns wieder hinunter in die Stadt. Umsteigen in die Metro. Aussteigen, Streetfood wir probiert, Buñuelos, kleine, frittierte Teigbällchen, außen knusprig, innen weich und mit Mozzarella gefüllt. Wie könnte es anders sein: nicht ganz unser Ding.
Jetzt geht es im Colectivo weiter – einem kleinen öffentlichen Bus, der uns direkt in die legendäre Comuna 13 bringt.
Einst war die Comuna 13 in Medellín eines der gefährlichsten Viertel Kolumbiens. In den 1980er- und 1990er-Jahren kämpften Drogenbanden, Guerillas und paramilitärische Gruppen um die Kontrolle über die engen Hügelstraßen. 2002 griff die Armee mit der „Operación Orión“ hart durch...viele Unschuldige wurden verletzt, verschleppt oder getötet.
Doch die Menschen gaben nicht auf. Mit Kunst, Musik und Mut begannen sie, ihr Viertel zurückzuerobern. Heute erzählen farbenfrohe Graffitis von Schmerz, Erinnerung und Neuanfang. Rolltreppen verbinden die steilen Gassen, Kinder spielen auf Plätzen, wo früher Schüsse fielen. Die Comuna 13 ist heute ein lebendiges Symbol dafür, wie eine Gemeinschaft sich selbst neu erfinden kann – mit Farbe statt Waffen, mit Hoffnung statt Angst. Medellíns Herz schlägt hier besonders stark – bunt, laut, lebendig.
Als Erstes halten wir bei einer Rap-Dance-Gruppe, die mit ihrer Energie sofort alle ansteckt.
Es geht weiter... steil die Gasse hinauf. Wieder gibt es etwas zum Futtern, diesmal ein Helado artesanal Maracumango.
Maracuja + Mango, lecker!
Es geht entweder über Rolltreppen, steile und enge Gassen oder viele Stufen immer weiter hinauf. Es ist bunt, fröhlich, voller Leben... und natürlich sehr laut, ohrenbetäubend laut.
Wir landen in einem Special-Effects-Shop.
Irgendwann erreichen wir die letzten 500 Meter. Alle Sinne werden gefordert – ja, überfordert. Wir sind froh, dass es zurück zur Metro geht.

Hier leben die Menschen, die einst zu den Ärmsten der Stadt gehörten – und auch heute mit wenig auskommen müssen.
Und hier leben diejenigen, denen es etwas besser geht.
Um vierzehn Uhr verabschieden wir uns von der Gruppe. Da wir uns bereits in der Metro befinden, können wir direkt bis zur Seilbahn weiterfahren, mit einmal Umsteigen.
Diese ist allerdings wegen Unterhaltsarbeiten bis Sonntag geschlossen. Scheibe! Die Schlange, um in den Kleinbus zu kommen, ist lang – sehr lang. Als nach zehn Minuten noch immer kein
Bus kommt, nehmen wir ein Taxi und lassen uns hoch zur Verbindungsstation fahren.
Wir sind ja schon oft steile Straßen gefahren, aber das hier übertrifft alles. Schade – ich habe vergessen, Fotos zu machen.
Wir brauchen bestimmt eine halbe Stunde, bis wir oben sind. Wie lange wohl ein Bus hätte?
Ab jetzt geht’s aber zügig: Karte aufladen und ab in die Gondel. Wieder staunen wir, wir sind bestimmt eine Viertelstunde unterwegs. Im Parque
Arví ist Endstation. Von hier nehmen wir einen Uber, der uns zurück zum Camping bringt.
Es war interessant, aber anstrengend – und wir sind froh, wieder im Pepamobil zu sein. 🚐
26. Okrober 2025
Die ganze Nacht hat es geregnet – also lieber nicht noch einmal runter in die Stadt. Was ist mit „Pico y Placa?“ Laut App dürfen wir fahren, das Fahrverbot gilt heute nur für die Nummern 6 und 9.
Ich gehe Bezahlen und trete natürlich wieder in einen Kothaufen. Fünf Hunde auf dem Campingplatz sind ja nett, aber ein bisschen Ordnung wäre schön.
Unser nächstes Ziel: der Nationalpark Los Estoraques, 544 Kilometer entfernt – leider bedeutet das 278 Kilometer denselben Weg zurück. Also Augen zu und durch! Wir ignorieren das Lkw- und das 4 Tonnen-Verbot, schleichen uns durch den Avrí Parque zurück zur Autopista 60. Wir schrammen die Vorstadt von Medellin, Hochhäuser links und. rechts der Autobahn. Die Strasse ist gut, wir kommen flott voran. Dann die 45, wieder viele Baustellen mit Wartezeiten. Es ist schon Mittag, wir stehen im Stau. Bruno toastet das Baguette und während der Weiterfahrt bereitet er das Sandwiches zu – perfekter Tankstellen-Lunch.
Wieder kommen wir in warme Gefilde, das Aussenthermometer zeigt 36 Grad. Es wird Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Auf Google Maps sehe ich eine offene Fläche, wir fahren diese an, stellen uns ganz nach hinten und machen Abendessen.
Eine halbe Stunde später kommt ein chico und will 12.000 Pesos, da es sich um Privatgelände handle. Wir bezahlen. Fünf Minuten später steht er wieder vor der Tür: Die Chefin sei beleidigt, weil wir nicht um Erlaubnis gefragt hätten – wir dürften nicht bleiben. Es gäbe aber gegenüber bei der Tankstelle einen Platz. Die 12.000 bekommen wir zurück!
Wir wechseln die Location, bezahlen auch hier 10.000 Pesos und machen die Schotten dicht. Es wird eine heiße Nacht.
27. Oktober 2025
Die Nacht war heiss, aber vom Lärm her erträglich. Heute Morgen lautes Gekreische über unseren Köpfen. Die Amazone habe ich durch die Dachluke beobachtet.
Nur noch 124 Kilometer – dann sind wir wieder in der Höhe und können angenehmere Temperaturen geniessen. Von der Hauptstraße geht’s auf die 70, die uns über einen Pass nach Ocaña führt. Wie üblich herrscht auch hier ein organisiertes Chaos, aber wir erwischen die richtige Straße, sind schnell draußen – und schon auf dem kurzen Zufahrtsweg, zum
ANU Los Estoraques, der heute allerdings eher einem kleinen Bach gleicht.
Die Nacht war wie eine Nacht sein soll: absolute Ruhe, kein Licht und 20 Grad – herrlich!
Der heftige Regen von gestern hat dichte Nebelschwaden über dem Park hinterlassen. Erst gegen neun gewinnt die Sonne die Oberhand, und wir können los.
Natürlich wieder wie Anfänger in Turnschuhen. Der viele Regen hat den Weg aufgeweicht, und unzählige Male werden unsere Füsse nass.🙈 Ein Sendero (Wanderweg) führt uns ins Innere der bizarren Erosionslandschaft. Immer wieder entdecken wir beeindruckende Hoodoos, die perfekte Fotomotive abgeben.
Sedimentgestein – abgelagerte Schichten aus Sand, Ton und vulkanischer Asche, prägen den Park.
Wie diese entstehen, weiss natürlich ChatGPT:
Die eindrucksvollen Formationen sind sogenannte Hoodoos – Erosionstürme, die über Millionen Jahre durch Wind, Regen und Temperaturwechsel entstanden sind. Weichere Gesteinsschichten wurden dabei nach und nach abgetragen, während härtere Schichten länger widerstanden. So entstanden die bizarren, säulenartigen Formen, die heute wie steinerne Wächter in der Landschaft stehen.
Nach gut einer Stunde schliessen wir die Runde und sind zurück beim PeMo.
So langsam müssen wir schauen, dass wir unsere Lebensmittel aufbrauchen. Am 7. November müssen wir nämlich unsere Hütte im Hafen von Cartagena abgeben – alles muss weg, denn es sind keine Lebensmitteln erlaubt. Sogar Kräuter und Salz sollen verboten sein. 🤦♀️🤦♀️🤦♀️
Also – was machen wir aus Kakaopulver, Zucker, Nüssen und Milch? Jawohl, Brownies!
Hier auf 1500 m ü. M. ist das die letzte Gelegenheit zum Backen – unten am Meer wird es viel zu heiss. Aus Weizengriess entstehen Bratlinge, und den Rest aus dem Tiefkühler verputzen wir, wie’s kommt.
Heute leeren wir die Flasche Williams. Für den Kirsch haben wir inzwischen eine Lösung gefunden: Wir nehmen ihn im Koffer mit – pro Person sind ja drei Liter Spirituosen im Flugzeug erlaubt. Da hätten wir den leckeren Williams wohl doch nicht so schnell austrinken müssen!
01. November 2025
Wir geniessen die Tage - die kühlen Nächte aber noch viel mehr. 😀😀
Was machen wir den ganzen Tag? Das was Reisende eben so machen: In der Ortschaft eine Runde drehen. Drohne fliegen, durch die tollen Felsformationen wandern, fotografieren, die sozialen Medien auf den neuesten Stand bringen (und überlegen, ob ich Instagram löschen soll?).
Außerdem: ausmisten, putzen, Reste verkochen und noch ein Brot backen. Dieses ist ausgesprochen lecker geworden. Der Kaffee wird wohl in einem kleinen Versteck Platz finden. Den Inhalt der Schublade, des Kühlschranks und des Tiefkühlers werden wir leer essen.
Hotel suchen, Flug checken – wann, wo, wie?
Dann möchte ich die tolle Abendstimmung filmen, doch die Drohne macht keinen Mucks, hebt einfach nicht ab! Lange Gesichter. Alles resetten, Firmware-Update, neu koppeln – sie rührt sich nicht. Guter Rat ist teuer! Bruno versucht alles – vergeblich. Aber er findet in Cartagena einen DJI-Laden. Für Dienstag haben wir einen Termin.
Bruno bekommt eine WhatsApp von der Agentin: Das Schiff hat 10 Tage Verspätung. Mist – wo ich heute doch Ware weggeworfen habe!
Schon wieder geht ein Monat zu Ende, und schon bald heißt es für uns, Abschied zu nehmen von einem Kontinent, der uns ans Herz gewachsen ist – einem Ort, an dem wir viele, viele schöne Erinnerungen gesammelt haben, aber auch traurige. Doch noch sind wir nicht am Ende – zuerst geht es ja noch bis nach Cartagena.