Select Language

 

 

01. Juli 2019

 

Wo nur bleibt die gemütliche Reisezeit? Momentan haben wir (ich) so viel um die Ohren, dass ich am Freitag, nachdem Bruno den  Stier geborgen hatte, einen halben Nervenzusammenbruch machte. Ja ich weiß, mache ich alles freiwillig, aber so Tierschicksale schlagen mir auf Magen und Nerven, es ist einfach so. 

Manuel hat Montag seinen Hund mit nach Hause genommen. Mir schwant auch hier nichts Gutes. Er muss ihn aber jeden Tag einmal mitnehmen, damit ich die Wunde kontrollieren kann. Bis jetzt ist alles okay und er fühlt sich offensichtlich wohl.

 

Auch die Wunde von Blanca ist super verheilt und seit fast einem Monat ist sie wieder auf der Weide von ihrem Besitzer, was wiederum Manso überhaupt nicht gefällt. Lautstark galoppiert er über die Weiden und ruft nach seinen Weibern. 

 

04. Juli 2019

Unser  Tinglado nimmt Form an. Balken um Balken hievt Bruno die schweren Dinger mit dem Bagger hoch. Es macht ihm sichtlich Spaß und er liebt solche Herausforderungen. Da er das Dach selber machen will, hat er nur mich und Manuel, die ihm zur Hand gehen können (wobei Manuel definitiv zweite Wahl ist).

 

Am Mittwoch sind die ersten "Pièce de résistance" an der Reihe. Länge 7,5 m, Gewicht geschätzte 300 kg. Der kleine Bagger ist Gold wert und Bruno hat ihn voll im Griff. Mit einer Zurrgurte wird der Balken gehoben, in Stellung gebracht, angezeichnet, dann wieder angehoben und zugeschnitten. 

 

Und ich, ich habe meine zweite Reitstunde. Hei macht Spaaaaaß!!!

 

Samstag, 6. Juli: Wir haben die erste Frostnacht hinter uns. Alle Bananen sind erfroren, denn dieses Jahr haben wir nur die Mangobäume und unsere "Aussendusche" Yucca, Fächerbananen-Zierecke zugedeckt. 

 

Die Pferde bekommen für die Nacht eine extragroße Portion Kraftfutter.

 

Die Nacht auf Sonntag war noch kälter. Was die vordere Nacht der Kälte getrotzt hat, ist diese Nacht erfroren. Ob die "Königspalme" das übersteht? Im Sommer werden wir's wißen. Im Gemüsegarten sind Tomaten, Basilikum, Zucchini, Kürbisse, Spinat erfroren. 

Kälteeinbruch und Frost in Paraguay Königspalme erfroren

 

Bananen und Papaya, futsch!

 

Nur was eingepackt ist hat eine Chance, die Kälte schadlos zu überstehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der dritten Frostnacht ist so ziemlich alles futsch, sogar die eingepackten Mangobäume. Lapacho, Moringa, Inga, Ficus, alle haben braune Blätter. Aber den Kirschen, Äpfel- und Birnbäumen tut die Kälte gut. Ich bin gespannt was wieder wächst.

 

 

Die gelieferten Eukalyptus-Halbhölzer bereiten uns große Sorgen. Alle samt sind sie gebogen.  Bruno sucht verschiedene Lösungen, keine funktioniert.

 

In der Zwischenzeit versetzen Manuel und sein Sohn Sergio den Zaun. Eine körperlich schwere Arbeit, denn der Boden ist trocken und pickelhart.

 

Am Nachmittag kommt Tyson mit. Hei super! Seine Wunde wird kleiner und heilt gut ab.

 

Dienstag sind Arsenio und seine Mannschaft wieder hier. Er kann nicht verstehen, dass wir den Tinglado nicht mit Eisen haben machen lassen.

 

Am zweiten Tag sind alle Pfosten ausgegraben und können, manchmal mit Beton und Bagger, an der neuen Stellen eingebuddelt werden. Und Bruno hat, hoffentlich, die Lösung gefunden, um das Dach mit dem Eukalyptus zu bauen.

 

Ich glaube, es ist das erste Mal seit Manuel bei uns ist, dass er länger arbeiten muss. Die Männer wollen unbedingt die Hauptpfosten einbetonieren, damit diese über Nacht trocknen können.

 

Arsenio und seine Equipe sind am Mittwoch fertig mit der Mauer. Jetzt will jeder Bruno sagen, wie er das Dach machen soll. Es nervt ihn und er wartet bis alle weg sind, dann legt er los. Freitag ist der Hauptteil gedeckt.

 

Am Freitagabend versuche ich die Pferde in den Unterstand zu holen. Manso kein Problem.

 

Bei Loca ist das eine ganz andere Geschichte. Sie ist extrem ängstlich und vor allem Neuen scheut sie zurück. Trotz Banane, sie kommt nur bis zum Eingang. 

 

Erst am nächsten Morgen erliegt sie ihrem Futtertrieb. Nie hätte ich gedacht, dass Pferde so Futter-Geil sein können. Loca kommt für ein Stück Karotte oder eine Banane über das ganze Feld getrabt und wehe, Manso will es ihr wegnehmen, dann krachen schon mal die Hinterläufe an den Bauch von Manso (umgekehrt aber genauso). 

 

Wir beschließen die Woche mit einem kalten Bier auf der Terrasse, denn die Temperaturen sind wieder um die 28 Grad, und fahren dann zu Holger in die  La Ola.

 

 

Samstag fällt mir eine Kuh auf, welche schon eine ganze Weile still am Boden liegt, wie tot. Ich gehe hin um nachzuschauen. Sie lebt, aber atmet schwer und aufstehen will sie nicht. Ich informiere Isídro. Seine Frau und ihr Sohn Dani kommen runter. Dani kickt sie solange an, bis sie aufsteht. "Alles gut, gracias a dios" meint Selvina. Okay, wenn das so ist, ich häng mich da nicht auch noch rein. Wir gehen, - schon wieder -, zu Holger Mittagessen. Das Handy klingelt. Manuel. Ob wir nicht zu Hause seien, will er wissen, denn die Kuh sei gestorben und man (Bruno) sollte sie begraben. Dies tut er, als wir gegen 14 Uhr zurückkommen. Keiner weiß, was los ist, wieso sie gestorben ist. Gegen 18 Uhr ruft Isídro wieder an: Eine weitere Kuh liegt tot im Fluss! "Was ist los? " will ich wissen. "No sé!" Mir ist sofort klar, wir brauchen einen Tierarzt, welcher die Kuh untersucht, falls eine Seuchengefahr droht. Ich fange an zu telefonieren. Schnell wird aber klar, dass die Kühe vermutlich die Blätter der "Azuncena" gefressen haben. Diese bilden Gas , die Kühe gehen trinken und mit Wasser entwickelt sich ein Gift und die Tiere sterben innert zwei, bis drei Stunden.

Jetzt liegt aber die Kuh im Fluss und Bruno kommt mit dem Bagger nicht hin. Also beschliessen die Männer, die Kuh morgen mit den Pferden aus dem Wasser zu bergen, damit "Don Bruno" auch diese begraben kann. Tier-Bestatter Don Bruno wird schon um neun Uhr am Sonntagmorgen angerufen. Er fährt los und ist nach einer Stunde wieder zurück. 

 

Gegen Mittag steht Tyson auf der Matte. Die Wunde wird kleiner, sieht richtig gut aus. Nur das Loch scheint nicht zuwachsen zu wollen. 

 

2. Tag                                                                                                               6. Tag                                      14. Tag

 

Bruno gibt Vollgas beim Verlegen der Seitenwände. Nut-Feder auch aus druckimprägniertem Eukalyptus.

Nut-Feder druckimprägniertes Eukalyptus

 

Mann, das Wetter macht gerade was es will. Am Sonntag gab es endlich Regen bei sommerlichen Temperaturen, heute Nacht sinkt das Thermometer auf sechs Grad. Zum Arbeiten ideale Temperaturen, findet Bruno. Gegen die Kälte gibt es ja warme Klamotten!

 

Er hier hat alles im Blick.

 

Wieder ist Regen angesagt. Die Dachrinne muss montiert werden und zwar subito.

 

Und schon wieder eine trauriges Tierschicksal.

Donnerstag, wir sitzen gemütlich beim Café als um 13 Uhr Mariano anruft. "Kannst du in mein Haus kommen?" Mariano ist schwer gehbehindert und lebt in absolut ärmlichen Verhältnissen. Gegen halb zwei bin ich bei ihm. Er sitzt im Garten, legt den Finger an den Mund und flüstert: "Komm schau, das Pferd bekommt sein Fohlen." Ausser im TV habe ich natürlich noch nie eine Geburt eines Fohlens gesehen. Die Stute steht, Kopf und Vorderläufe des Fohlen draussen. Plötzlich schmeisst sich das Pferd hin, wälzt sich hin und her, der Kopf des Fohlens natürlich genauso. Bei mir leuchten alle Lampen auf, meine Haare stellen sich auf, mir wird  schlecht. "Wie lange geht das schon so?" will ich wissen. "Seit ich dich angerufen habe. Neiiiiiiiiin, spinnst du, das Fohlen ist doch tot, das kann doch solche Stürze nicht überleben. Siehst du nicht, dass es eingeklemmt ist, dass muss doch raus." In solchen Momenten schiebe ich zuerst mal Panik. Weiß zuerst nicht was zu tun ist. Ich renne zum Auto, will die Tierärztin anrufen. Scheisse, mein Handy liegt zu Hause. Scheisse, Scheisse, was mach ich? "Ruf Manuel an, sofort, sage ich Mariano." Manuel, schnell, gib mir Bruno schreie ich als dieser am Telefon ist." Ich schildere Bruno die Lage und bitte ihn sofort die Tierärztin anzurufen, ihr die Nummer von Mariano zu geben, damit sie mich zurückrufen kann.

"Ich weiß nur eins, wir müssen das Fohlen rausholen. "Hast du Handschuhe?" Hat er natürlich nicht. "Ein Tuch, hast du ein Tuch?" Seine Frau bringt ein Tuch. Ich versuche die Stute zu beruhigen, sie am Boden zu halten. Der Frau sage ich, dass sie versuchen soll das Fohlen rauszuziehen. "Nein, will sie nicht, das Pferd könnte ja ausschlagen." Mannnnnn! Ich gehe nach hinten und versuche zu ziehen. Nichts zu machen. Herrgott, wie stark darf man den ziehen, ohne das Pferd zu verletzten???????? Mariano kommt auf allen Vieren und versucht zu helfen. Das Fohlen steckt fest, kein Zentimeter kommt es weiter raus. Seine Frau bringt ein Seil. Wir befestigen es um die Vorderbeine des Fohlen und ziehen. Nichts passiert. Mir laufen die Tränen runter, was soll ich machen?  Ich fange an mit dem Pferd zu reden. "Hilf mir, du musst mir helfen, ich kann nicht alles alleine machen." Ich versuche mich selber zu beruhigen und spreche einfach weiter mit der Stute. Zu Dritt ziehen wir Minuten ohne das etwas geht. Dann plötzlich scheint sich etwas verändert zu haben. "Langsam, langsam schrei ich, sonst zerreißen wir die Mutter." Langsam ziehen wir das Fohlen Zentimeter um Zentimeter raus. Nach Minuten liegt ein wunderschönes totes Fohlen vor uns. Ich weine um den kleine Hengst. Er musste sterben, weil die Menschen hier unwissend sind und alles immer nur der Natur überlassen. Sich nie Gedanken machen, dass man einem Tier helfen könnte. 

Eine ganze Weile bleibe ich einfach nur neben dem Fohlen sitzen, verabschiede mich und wende mich dann der Stute zu. Was ich sehe verschlägt mir, einmal mehr, die Sprache. Ein bis auf die Knochen abgemagertes Pferd, mit offenen Wunden! Ich stehe auf und gehe. Das ist definitiv zu viel für meine momentane Verfassung.

Am Samstag hole ich das Pferd zu uns auf's Gelände, denn alles was es jetzt braucht ist Pflege und Erholung.

 

Bruno macht am Freitag den Pferdeunterstand fertig, wie gut es doch unseren Vierbeinern geht! Manso natürlich immer dabei, er will genau wissen was da passiert.