Paraguay zum Vierten

 

Teil II

 

 

Sonntag 1. Oktober 2017

 

Paraguay hat auf Sommerzeit umgestellt.

 

Es ist heiß und schwül. Bis mittags halten wir uns draußen auf, dann fliehen wir ins Innere

und die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. 

 

 Gegen vierzehn Uhr ziehen von Süden dunkle Wolken auf. In der Ferne Donner und Gewitter.

Wind setzt ein. Dann fegt ein Sturm mit über 130 km/h über uns hinweg.

Durch die "Berge" 3 Kandú ist Independencia etwas geschützt, dennoch werden Bäume ausgerissen,

welche dann auf die Strommasten fallen. Hausdächer werden wie Karton durch die Luft gefegt.

Ein Blitz schlägt in die Funkantenne, das Internet fällt aus. 

 

Toll... jetzt sitzen wir auch noch ohne Internetverbindung da, als gäbe es nicht genug 

Schwierigkeiten mit unserer doofen Kiste, welche endlich nach Deutschland sollte.

 

Am Montag immer noch kein Strom, kein Internet. Wir gehen zu Sylvia, unsere

Nachbarin. Sie hat Strom und Internet. Uff... über ihren Router können wir E-Mails verschicken

und erhalten die Meldung, dass die Kiste am Montag abgeholt wird.

Erste Hoffnungen kommen auf, wird doch noch alles gut?

Wenn nicht, sollen sie das Teil im Rhein versenken oder auf den Mond schicken!

 

Die Hoffnung war vergebens, die Kiste sitzt am CH-Zoll fest, das Formular 0350 muss ausgefüllt und

eingereicht werden. Wir hatten zwei Tage kein Internet, weitere 2 Tage bleibt die Kiste liegen.

Hätten wir gewusst, das dies so ein Theater gibt, die Ware wäre noch genau dort, wo sie 

über Jahre war, nämlich auf dem Dachboden.

 

In der Zwischenzeit machen wir uns wieder auf, den Wald aufzuräumen.

packen wir's an, es gibt viel zu tun.

 

Wieder ziehen dunkle Wolken auf. Ein weiterer Sturm bringt Hagel und Verwüstung.

Wieder bleiben wir verschont, jedoch fällt viel Regen. Zum ersten Mal ahnen wir,

was da auf uns zukommen wird.

 

 

Nach jedem Sturm muss aufgeräumt werden. Die Orangen sind reif und fallen von den Bäumen.

Leider sind es "saure Orangen", (sie wurden für die Kosmetikindustrie angepflanzt)

und sind nicht unbedingt schmackhaft, dafür lieben sie die Kühe umso mehr.

 

Aussicht auf den

- Cerro Tres Kandú -

 

Milch und Eier kann ich bei unserer Nachbarin Selvina kaufen. 

Joghurt machen wir ja seit Jahren selber. Neu mache ich auch Quark,

dank einem Rezept von Marion. Das Rezept findest du hier

 

Die Milch gibt's frisch direkt ab der Kuh!


 

09. Oktober 2017

 

Zum ersten Mal erleben wir, wie es hier ist, wenn es regnet, wirklich regnet. 

Das Wasser sucht sich seinen Lauf, über die Wiesen, durch den Wald, über die Wege.

 

 In der Dämmerung machen wir eine erste Runde, um zu schauen, wo wir was verbessern, umleiten, ändern müssen.

 

Unsere paraguayischen Nachbarn, Isidro und Selvina schmunzeln, als wir wissen wollen, ob dies "viel" Wasser sei.

"Oh no, pocito agua, es nada."

Aha, da kommen also noch ganz andere Wassermassen über unser Gelände...

 

...welche wir heute Mittag hautnah mitbekommen. Da müssen wir aber unbedingt eine Drainage legen,

sonst gibt's nasse Füsse und das im Bett!

Oder noch schlimmer, es unterspült das Haus, noch bevor es gebaut ist.

 

Zwei Tage sehen wir keine Arbeiter. Es regnet so viel wie normalerweise in zwei Wochen.

Victor gibt Entwarnung. Dem Haus würde das überhaupt nichts machen und für's Haus/Fundament

sei dies super ideal. Der Boden könne sich so richtig gut setzten. Tranquilo, tranquilo!!!

Zudem wisse man jetzt exakt, wo ein Kanal gebaggert werden muss.

Okay, wenn er es sagt... er wird's schon wissen, lebt er doch schon einige Jahrzehnte hier

und es ist nicht sein erstes Haus, welches er unter Aufsicht hat.

 

Wir aber machen keine Pause, Bruno fällt einen weiteren Baum. Jetzt hat es genügend Platz,

damit auch größere Fahrzeuge durchfahren können.

 

Die Temperaturen steigen wieder über 35 Grad. Es ist schwül und schier unerträglich heiß.

Lola findet ein weiteres Wasserloch, sie hat ihre Pool's, wir müssen noch ne ganze Weile warten, bis unserer fertig ist.

 

Schon wieder ein neues Gerät. Diesmal eine Motorsense.

Unglaublich.

Im 2004 haben wir unser Haus in der Schweiz verkauft, mit allem drum und dran, jetzt muss alles wieder neu

angeschaft werden. 

 

Sind wir denn noch zu retten???????

 

 

 

Hier in Paraguay ist das Abbrennen erlaubt. Kein Nachbar reklamiert.

Es ziehen dunkle Wolken auf, so profitieren wir und zünden den Haufen an. 

 

 

 

 

Bei so einer Glut gibt's nur eins...

Ein Cervelat und ein sehr kaltes Bier...lecker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht ganz scharf die Bilder, aber hat herrlich gemundet.

 

Während auf der Baustelle "Stand by" herrscht, leichter Regen hat eingesetzt und die Temperaturen fallen auf angenehme 20 Grad, laufen Bruno und ich zur Höchstform auf. Wir arbeiten bis in die Nacht hinein.

Rasen mähen, Garten einzäunen, zwei Wurzelstöcke ausgraben, Wassertank anmalen. Das hässliche blaue Ding muss weg!

 

Am Sonntag machen wir einen kleinen Ausflug, hier soll ein Alligator leben!

 

 - Cordillera del Ybytyruzú -

 

Toll, wir bekommen schon unseren ersten Besuch. Chunny und Phillipe aus Französisch Guayana fahren vor.


 

Leider müssen wir am Donnerstag nach Asunción.

Unserem Wechselrichter ist die gutgemeinte Stromlieferung vom Pepamobil 

zum Betonmischer überhaupt nicht bekommen.

Nach genau elf Jahren und fünf Monaten hat er seinen Betrieb einfach eingestellt.

Und leider haben wir ja hier immer wieder für längere Zeit Stromausfall, also muss eine Lösung her.

 

Wir werden die Platine vom Studer Wechselrichter auswechseln. Diese hierher zu bringen dauert aber,

da wir sie in die, noch in der Schweiz liegende "Kiste", zupacken werden.

In der Zwischenzeit findet Bruno eine Lösung in Filadelfia im Chaco.

Dort hat die Firma Solartec einen Victron 3000/24 V am Lager. Na ja, nicht gerade ein Top-Gerät

aber allemal besser als kein Strom!!!! Also ab nach Asunción.

Als wir bei der Cooperativa Fernheim in Asunción eintrudeln, was wurde nicht geliefert? Jawohl, unser 

Wechselrichter. Einfach vergessen gegangen! Via WhatsApp verspricht man uns, dass wir diesen

am nächsten Morgen in Asunción abholen könnten. 

So fahren wir zu Marion und René, wo wir wieder mit Köstlichkeiten verwöhnt werden,

übernachten bei ihnen und fahren am Freitag zurück nach Asunción. Und siehe da, der Wechselrichter

wartet bereits auf uns. Einpacken, zur nächsten Bank fahren, bezahlen und ab geht's nach Hause.

 

Hier sind wieder einige Ziegelsteine mehr auf der Mauer!

 

Samstag, 21. Oktober 2017

 

Natürlich baut Bruno sofort den Studer aus und den Victron ein. 

Uff, nach vierzehn Tagen sind wir wieder unabhängig. "Frau" wird erst bewusst, was es heißt, "immer"

 Strom zu haben, wenn keiner mehr da ist!!!

 

Nach einer Stunde ist das Pepamobil wieder unabhängig.

 

  

Gegen fünfzehn Uhr ziehen erneut Gewitterwolken auf. Sinntflutartig schüttet es wieder vom Himmel.

Dementsprechend steht unser Gelände heute wieder unter Wasser. 

Der Weg wird zum Bach, der von Isidro von Hand ausgebuddelte "Kanal", zum reißenden Fluss.

 

Sonntag, 22. Oktober 2017

 

Unser zweiter Nachbar, Manuel, bringt uns Pflanzen. Er will wißen wohin, dann buddelt er sie 

auch gleich noch ein. Super. Zwei Bananenstauden, zwei Zweige, aus welchen Mandarinenbäume werden sollten, 

vier Moringa-Äste und zwei Zweige vom "Mispero".

 

Jetzt müssen sie nur noch wachsen.

 

Von Sylvia gibt's wieder riesen Pomelones, wir machen Konfitüre!

 

Wieder einmal heißt es: "Land unter in Paraguay". Himmel noch mal, kann es hier schütten!!!

 

 

Seit zwei Wochen versuchen wir einen kleinen Bagger zu ordern, welcher uns die Drainage ausbuddelt.

Eine Armverletzung des Baggerbesitzers verhindert die Arbeiten...

also kommt Plan B zum Einsatz...selber ausbuddeln. Bis zum Mittag sind zwei Drittel geschafft.

 

Am Nachmittag muss Bruno alleine malochen , meine Hände sind voller Blasen!

 

 

31. Oktober 2017

 

Ein sehr arbeitsintensiver Monat, mit viel viel Regen, geht zu Ende.

 

Mit dem Trockenlegen unseres Geländes und der ENDLICH positiven Meldung, dass unsere

Kiste am 3. November abgeholt wurde und -voraussichtlich- am 24. Dezember in Asunción eintreffen sollte, 

ein durchaus positiver Monat.

 

Weiter geht's im November.