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Argentinien

September 2018

 

Playa Punta Pardelas
Wir sind zum siebten Mal hier, aber so viele Wale haben wir noch nie gesehen. Einfach nur genial. Schade können wir nicht an der Las Canteras stehen. Aber wir wollen wirklich nicht wieder Stress mit den Parkwächtern. 

Am nächsten Morgen fahren wir hinaus auf die Halbinsel Valdés. Der Eintritt (Vorsaison) ist 415 Peso/Person.

Playa Punta Pardelas wie immer unser Ziel. Ich sitze am Steuer. Den Weg kennen wir nur zu gut. Also Blinker raus und abbiegen. Zwei Fässer und ein "Cerrado-Schild" versperren uns den Weg. Ich ignoriere beide und will durchfahren, bekomme aber das Fass unter das Rad. Scheibe! Bruno steigt aus, verrührt die Arme. Ich habe unsere Treppe demoliert. Er stellt das Fass wieder auf und ich fahre weiter. Einen Kilometer weiter versperrt uns eine Sanddüne den Weg. Also wieder Luft ablassen und locker durchfahren. Unten an der Playa stellen wir uns in den Wind und los geht es, auf Wal-Foto-Jagd!

 

Die Wale sind neugierig, oft schauen sie einen direkt an!

 

Und dann immer wieder ihre tollen Sprünge.


 

Auch dieses Jahr hat es wieder weisse Kälber.

 

Wir stehen ganz alleine und geniessen einfach nur diese tollen, faszinierenden Tiere.

 

Nach vier Nächten fahren wir zurück, heftiger Wind vertreibt uns. Vor dem "Sandfeld" bedient Bruno wieder das Druckreduzierventil, und wieder geht es locker durch den Sand.

 

Fünf Minuten später stehen wir wieder vor der Absperrung...

 

...welche sie anscheinend heute massiv verstärkt haben. 

 

Tja, das war's dann wohl für Punta Pardelas. Später erfahren wir, dass es hier letzten Sommer zu und her gegangen sein soll, dass es ein Graus gewesen ist. Fünfzig Autos, alle mit mind. fünf Personen, alle mit Zelt, haben hier die Sommerferien verbracht. WC gibt es keine, also alle rauf in die Dünen, um dort ihre Notdurft zu verrichten. Leider sieht es dementsprechend aus. Wir hoffen, dass sie den Strand nicht für immer sperren werden, wäre wirklich sehr sehr schade.

 

So geht es denn zurück an die Ruta 42 . Dort stellen wir uns auf die erste "Platte", wo die Wale wohl weit draussen zu beobachten sind, dafür bieten sie uns ein Spektakel sondergleichen. Fotos gibt es von hier keine, hier gibt es die Wale nur zur Freude von "Augen und Seele."

 

Kerstin und Thomas melden sich via WhatsApp an. Sie waren auf P. Ninfas und wollen den Rest ihres Aufenthaltes noch an der Las Canteras verbringen. Freitag gegen sechszehn Uhr beziehen auch wir dort Stellung. Lola bleibt im Truck.

Und es ist wie immer...einfach nur GRANDIOS!

 

 

So, und für alle, die schon lange auf einen Reisebericht von Bruno gewartet haben...hier ist er!

 

 

Sonntag, 09. September 2018

 

Da die Flut zz. kurz vor Sonnenaufgang stattfindet, sind Kerstin und ich früh auf den Beinen. Leider scheinen auch die Wale noch zu schlafen, alles ist ruhig. 

 

Vor lauter Walen vergisst Frau fast den Rest der Tiere.

 

11. September 2018

Kirstin und Thomas verabschieden sich, ihre Heimat, Namibia, ruft. Auch wir verlassen die Playa. In P. Madryn bunkern wir Lebensmittel und Wasser und ab geht die Fahrt zu den See-Elefanten.

 

Leider sind wir für die See-Elefanten noch etwas früh da. Diese haben ihr "Stell-Dich-Ein" erst ab Oktober. Aber, wir haben Glück und es tummeln sich schon sechs Männchen und drei Weibchen am Strand.

 

Am vierten Tag entdecke ich ein Neugeborenes. Also Kamera einpacken, über den Steilhang hinunter zum Strand und loslaufen Richtung Süden. Nach knapp einem Kilometer liegen Mutter und Baby gemütlich im Kies.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die See-Elefanten hier sind an Menschen gewohnt, kommen doch jedes Weekend die Fischer aus Madryn und Rawson hierher. Hält man Abstand, gibt es keinen Stress.


 

Lola hat so ihre liebe Not mit den See-Elefanten, sie sind ihr definitiv nicht geheuer.  Kommt sie mit an den Strand, ist sie immer mindestens fünfzig Meter in der Felswand zu finden, oder so weit weg, dass ihr wirklich keiner zu nahe kommen kann.

 

Und natürlich geht auch hier die Paarung sofort los.

 

16. September 2018

Samstag gegen neunzehn Uhr dreißig fallen erste Regentropfen auf's Dach. Sofort kommt bei mir ein ungutes Gefühl auf. Die Nacht von vor zwei Jahren ist wieder 100% präsent. Ich will, dass wir wegfahren, egal ob nur ein Tropfen fällt oder es die ganze Nacht regnet. Es blieb bei den paar Tropfen, dafür konnte ich beruhigt schlafen. 

 

Am Sonntag fahren wir die restlichen 50 km bis Rawson, die Provinz-Hauptstadt von Chubut. Wie schon vor zehn Jahren hat sich hier nichts geändert. Die Strasse führt direkt durch die Mülldeponie. Und hier bekommen wir wirklich einen "dicken" Hals. An der  "Las Canteras" verbietet man Hunde und hier versaut man die Erde ohne Skrupel. Batterien, Kühlschränke, alte Computer, alles liegt am Straßenrand.

 

In Rawson füllen wir Kühlschrank, Diesel- und Wassertank, machen ein kurzes Update und düsen ab zur Playa Isla Escondida.

Es geht schon gegen Abend und uns kommen Massen Wohnwagen, Autos, mit und ohne Anhänger, beladen mit Schlauchboot oder Quad entgegen. Wenn die alle von der Playa kommen, was wird uns da erwarten?

Hier waren wir noch nie, ist alles Neuland für uns.

Wow, können wir nur sagen! Jetzt am Sonntagabend ist es fast menschenleer, noch ein paar Familien die ein letztes Asado im Sonnenuntergang geniessen, sonst sind alle schon heimgefahren. Und...ganz große Überraschung, wenig Müll.

 

 

Wir suchen uns einen Platz und machen es uns gemütlich. Eine Woche wollen wir hier bleiben, wenn das Wetter mitspielt.

Hier hat es schon wesentlich mehr See-Elefanten. Zwei Gruppe tummeln sich an der Beach. Eine mir dreizehn Weibchen, zz. vier Junge, plus dem "Harem-Jefe", welcher aufpasst, dass ja kein anderer Bulle auch nur ein Auge auf seine Weiber wirft. Eine weitere mit acht Weibchen und drei Babys. 

Wir besuchen jeden Tag die beiden Gruppen und jeden Tag erhöht sich die Anzahl der Jungen. Wir sind erstaunt, dass wir nie eine Geburt sehen. Wir sehen immer nur die "Reste".

 

Das hier war eine sehr blutige Angelegenheit.

 

Wenn die See-Elefanten nicht schlafen, sich bekämpfen, kratzen oder sich vermehren, wird mit Steinen geworfen. Wieso wissen wir nicht. Die einzige Vermutung, die wir haben, ist das Vertreiben der vielen Fliegen auf ihren Rücken. Schon im zarten Alter von zwei Stunden beginnen die Frischgeborenen mit Steine werfen.

 

Die vielen Rivalen müssen vom "Harem" ferngehalten und vertrieben werden. Und dies ist eine blutige Angelegenheit.

 

Ist der Rivale vertrieben geht's ans Vergnügen! Doch dieses ist (noch) nicht sehr oft von Erfolg gekrönt. Die Weiber wehren sich momentan noch mit Flossen-Schlägen und davonrobben.

 

Aber manchmal klappt es doch!

 

 

19. September 2018

 

Happy Birthday liebe Bruno, happy birthday to you.

 

So, leider gehört Bruno jetzt zum "alten Eisen", aber dafür gibt es jetzt jeden Monat "DiriDiri". (Bezeichnung für Geld in Paraguay) Als Geburtstagsgeschenk gibt's eine 65zig in Brotform und ein neues MacBook. Dieses haben mir Brigitta und Paul aus der Schweiz "inkognito" mitgebracht. 


 

Und als besondere Geburtstagsüberraschung; eine live Geburt eines Seeelefanten Babys. Natürlich taufen wir es Bruno!

 

Freitag, 21. September 2018

Seit acht Uhr morgens sitze ich bei den Seeelefanten. Ich hoffe auf eine weitere Geburt. Vier Weibchen sind hochschwanger und müssten eigentlich in den nächsten Tagen ihr Baby bekommen. Ich mache eine kurze Mittagspause und begebe mich anschliessend wieder zu den Seeelefanten. Plötzlich fallen mir zwei Möwen auf, welche versuchen zu einem Weibchen vorzudringen. Hm...? Geburt? Blut, Nabelschnur, Nachgeburt? alles Dinge, die die Möwen mögen und beseitigen. Ich gehe hinunter zum Wasser. Und siehe da, ein Frischgeborenes.

 

Es liegt, noch ganz erschöpft, am Strand. Ich beobachte kurz und mir wird sofort klar, dass es keine Chance hat.

Die Flut hat erst in zwei Stunden ihren Höhepunkt und die Wellen sind hoch und werden das Baby ins Meer reißen. 

 

Die erste Welle erfasst das Kleine und es wird ins Wasser gezogen. Mutter und Baby lamentieren lauthals! 

 

Ich renne zurück zum Truck und bitte Bruno mir bei der Rettung des Jungen zu helfen. Mit Gummistiefeln, Handschuhen und einem Besen bewaffnet, gehen wir zurück. Schon von weitem sehen wir die nächste Welle anrollen: "Nein," schreie ich, " äs isch z'spät."

Wir rennen los. Bruno wartet  bis sich das Wasser zurückgezogen hat,  packt das Kleine (immerhin fast 70 kg) an den Schwanzflossen und zieht es auf den Strand zurück. Die Mutter schaut zu und schreit laut.

 

Hinter Bruno verdeckt ist die Mutter, die nicht begreift, was hier passiert. Wir hatten erwartet, dass sie uns angreifen würde, dafür hatten wir den Besen mitgenommen, im Zirkus halten sie ja auch die Löwen so auf Distanz, aber es ist ihr irgendwie egal. Das Baby hätte keine Chance gehabt, es war knapp.

 

Während sich Mutter und Baby wieder finden, und dies tun sie lauthals mit einem gegenseitigen Anbrüllen, beobachten wir die beiden und sind froh, dass wir zur Stelle waren. Wir taufen dieses Baby Bänzli!

 

Wie heftig die Wellen waren, hier ein anderes Bild. Dieses Junge ist etwa acht Tage alt und seine Mutter hat sich dann schützend davor gelegt.

 

Für's Wochenende wird Regen erwartet. Wir benutzen die Gelegenheit und fahren nach Trelew einkaufen und Updates machen.

Wir verbringen die Nacht auf dem Parkplatz der YPF-Tankstelle, fahren am Sonntagmittag aber wieder  an die

Playa Isla Escondida.

Die Location ist umwerfend, ganz in unserem Sinne. Es ist unglaublich, wie nah wir hier an die Tiere kommen. Nach einer Woche hatten wir das Gefühl, dass sich die Seeelefanten an uns gewöhnt haben. Kommen wir an den Strand, schauen sie kurz hoch nach dem Motto: "ach, nur der doofe Typ mit der roten Jacke" und pennen weiter. Nur Lola hat immer noch einen Heiden-Respekt.

 

23. September 2018

Schon sind wir einen Monat unterwegs. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

 

Die Mondphase macht sich auch bei den Seeelefanten bemerkbar. Täglich kommen die Babys zur Welt. Jetzt, wo wir wissen, dass das Gebären absolut unspektakulär und ruhig geschieht, schauen wir genauer hin. Ich setze mich zur Gruppe und warte. Wird ein Weibchen unruhig, beobachte ich dieses. Und tatsächlich, fast immer folgte die Geburt. Ist die Fruchtblase geplatzt, kann man beobachten, wie die  Wehen in immer kürzeren Zeiten folgen und nach ein bis zwei Stunden kommt das Baby. 

Ich habe sechs Geburten gesehen, davon vier fotografieren oder filmen können. Die meisten kommen mit der Schwanzflosse voran zur Welt. Nur eines der Weibchen scheint große Schmerzen gehabt zu haben. Sie ist, mit der Schnauze im Kies, von ganz oben bis hinunter ans Wasser gerobbt und hat grunzende Wehlaute von sich gegeben. 

 

Diese Mutter hat sich viel Zeit gelassen. Das Junge hat dann aber auch sofort seinen Unmut laut kundgetan. Es war noch nicht ganz draußen hat es schon laut gemault.

 

Auch die letzte Geburt dauerte fast eineinhalb Stunden.

 

Die Tierwelt ist gnadenlos. Die Jungtiere haben ein weiteres Problem. Oft werden sie von den Bullen einfach überrollt, platt gedrückt. Diese haben, laut Wikipedia, einen sehr hohen Sextrieb, packt sie das Verlangen, kennen sie keine Hindernisse, keine Gnade. 

 

Die Möwen sorgen für eine fachgerechte Entsorgung der Nachgeburten.

 

Zum Schluss noch ein paar Impressionen.

 

Mit tollen Erinnerungen verlassen wir die Playa. Wo genau wir hinfahren ist noch nicht so ganz klar. "Mou luege!"

 

Der berühmt-berüchtigte patagonische Wind macht seinem Namen -seit Wochen- alle Ehre. Zum Übernachten müssen wir unser Pepamobil immer in den Wind stellen, ansonsten sich bei mir die Seekrankheit bemerkbar macht. Es kommt sogar vor, dass wir,  wenn sich der Wind dreht, mitten in der Nacht unseren LKW umstellen müssen. 

 

Unser nächstes Ziel: Camarones und die Penguinera Capo Dos Bahías.

 

Zwischen September und April kommen bis zu 20'000 Magellan-Pinguine in die Bucht. Hier wird ein Partner gesucht, ist dieser nicht schon da. Gemeinsam suchen sie ein Nest, welches der Dame als angemessen erscheint. Der Magellan-Pinguin gräbt sich eine Bruthöhle. Ist dies von der Bodenbeschaffung her nicht möglich, brütet er in kleinen Mulden, Felsspalten oder unter Sträuchern. Danach wird fleissig für Nachwuchs gesorgt. Die Eiablage beginnt Mitte Oktober. Innert vier Tagen legt das Weibchen zwei große Eier. Das Bebrüten dauert zirka 40 Tage.


 

Auch treffen wir wieder auf kleinere und größere Herden Guanakos. 

 

So, wir haben genug von der Kälte und dem Wind. Wir fahren runter bis Comodoro Rivadavia, wo wir die Grenz-Papiere für Lola machen werden, dann geht's ab nach Chile und wieder nordwärts, in wärmere Gefilde.

 

Wir fahren die Küstenstraße bis Bustamante. Wir sind gerade fertig mit Abendessen, als dunkle Wolken den Himmel bedecken. Regen setzt ein. Okay, das war's dann. Zusammenpacken und ab Richtung "Ruta 3". Nach einer halben Stunde erreichen wir diese und stellen uns in die Pampa, wo wir eine weitere kalte Nacht verbringen. In Comodoro Rivadavia schauen wir, wo die Senasa, ein Tierarzt und eine Wechselstube ist. Relaxed fahren wir für die Nacht an die Playa Bonita.

Der Wind wird immer stärker; wir bleiben weg vom Meer.

 

 

Montagmorgen finden wir dank der "mundoAnimalia"- App rasch einen Tierarzt. Gesundheitszeugnis ist rasch ausgestellt, ich bezahle die 800 Peso und ab geht's zur Senasa. Auch hier wird kompetent gearbeitet. Ich kann mit Kreditkarte bezahlen, was eine weitere Lauferei zur Nationalbank erübrigt. Super. Jetzt ab in den Jumbo. Noch einmal billig einkaufen: Käse, Wein und eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte. Sie sieht besser aus, als sie schmeckt. An die "Erika" kommt sie nieeee ran!

 

Bis wir alles erledigt haben, ist es zu spät um noch loszufahren. Noch einmal geht's zur Playa Bonita.

 

Ich bereite einen Gemüseauflauf vor und schalte den Backofen ein. Nach einigen Minuten ein verlockender Geruch aus demselben. Hm...? Ich schaue nach...Na ja, wer verstaut schon eine Torte im Backofen!!!! Sowas kommt auch nur meinem Mann in den Sinn.

 

Mit heftigem Gegenwind düsen wir am nächsten Morgen Richtung Chile. Auch mit durchgedrücktem Gaspedal schaffen wir die 380 Kilometer nicht. Der Zeiger der Tankuhr zeigt uns an, wie schnell der Diesel vernichtet wird. So legen wir einen Zwischenhalt am Lago Muster ein. Die Nacht wird wirklich, wirklich ungemütlich. Die Wellen werden gegen das Ufer gepeitscht und die Bäume werden durchgerüttelt. Ein "Sau-Lärm" die ganze Nacht. Von Tiefschlaf keine Spur. 

 

Die Location wäre ein Traum, aber so macht es keinen Spass. Entnervt verlassen wir bei Sonnenaufgang den See.

 

 

 

Mit unserer Ausreise aus Argentinien geht auch schon wieder ein Monat zu Ende. Wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, werden wir noch einmal die Insel "Chiloé" und anschliessend die See-Region Chiles besuchen. 

 

Was wir dort so alles erleben, hier das Journal!

 

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