Paraguay zum Vierten

 

Teil IV

 

02. Dezember 2017

 

Damit unser Pepamobil weitere drei Monate in Paraguay sein darf, brauchen wir eine Verlängerung.

Wir beschliessen, nach Brasilien zu fahren. Erst gegen sechzehn Uhr geht's los.

Wie wir auf die Ruta 7 stoßen, bemerken wir die unzähligen Radfahrer und die vielen Menschen, die doch zum

Teil sehr lädiert daher wandern. Genau, am 8. Dezember ist DER Tag der Katholiken in Paraguay.

Alle pilgern zur

 

- Virgen de los Milagros de Caacupé -

  

Am 8. Dezember 1765 wurde die Basilika eingeweiht und 2015 von Papst Franziskus während seines Besuches in

Paraguay zur Basilika Menor erhoben. Sie ist die zweite Kirche in Paraguay mit diesem Rang.  

 Millionen von Menschen pilgern jedes Jahr hierher. Das Chaos auf den Strassen soll unbeschreiblich sein.

 

 

Wir aber kommen noch gut voran.

 

 Übernachten tun wir am Rio Iguazu, wo wir einen tollen Vollmond beobachten.

 

Die Zollformalitäten bei der Ausreise aus Paraguay sind schnell erledigt.

Unsere Pässe werden abgestempelt und wir geben die temporäre Einfuhrbewilligung vom Truck ab.

 

Über die 552,4 m lange 

 

- Puente Internacional de la Amistad- 

(Freundschaftsbrücke)

 

wo wie immer DAS CHAOS PUR herrscht (Gott sei Dank auf der anderen Seite), fahren wir am

brasilianischen Zoll vorbei.  Hier will von uns keiner was wissen, wir fahren durch.  

Will ein Tourist einen Einreisestempel oder Papiere für den Wagen, muss er selber reagieren.

 

Gegen neun sind wir am Parkeingang zu den

 

- Cataratas do Iguaçu -

Anders als beim letzten Mal vor zehn Jahren, ist der heutige Eingang viel weiter vorne. 

Per Bus werden die Millionen von Besuchern zu den Wasserfällen gefahren.

 

Die Wasserfälle gehören zu den schönsten unserer Reise und faszinieren immer wieder. 

Im Garganta del Diablo ist das NASS bis auf die Unterwäsche garantiert.

Bei 32° C ein Genuss!

 

Die Iguazú-Wasserfälle bestehen aus 20 größeren und  255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern.

Die höchsten sind 82 Meter, der Großteil 64 Meter hoch.

Die Wassermenge an den Fällen schwankt von 1500 m³/s bis über 7000 m³/s. 

 

 

Nach drei Stunden sind wir wieder bei Lola und fahren zurück nach Paraguay. 

 

Diesmal ist das Chaos leider auf unserer Seite. Für die zwei Kilometer bis zur Brücke brauchen wir fast eine Stunde.

 Bei den Brasilianern fahren wir wieder durch...

 

...beim paraguayischen Zoll zeigen wir die Cédula  und können zum ersten Mal mit der ID-Karte Paraguays

einreisen. Vergebens versucht Bruno, eine temporäre Einfuhrbewilligung, gültig für sechs Monate, für

unser Pepamobil zu bekommen. Der Beamte will nichts davon wissen. Schade!

Wir fahren zum Dreiländereck zum Übernachten. 

Hier bekommen wir eins zu eins mit, wie die Menschen aus Paraguay illegal nach Brasilien übersetzen. 

 

 

 

Nach Sonnenuntergang kommt eine Gruppe Paraguayer zur Lichtung, wo wir stehen.

Sie setzen sich hin und warten, alle mit Schwimmwesten und sonst gar nichts, auf die Dunkelheit.

 

Dann geht alles sehr, sehr schnell. Ein Ruderboot legt an, die Leute steigen ein, und ab geht's nach Brasilien.

 

Sonnenaufgang am Dreiländereck: Brasilien, Argentinien, Paraguay.

 

Auf der Ruta 6 rollen wir Richtung Trinidad. Hier im Süden haben die Menschen vor vierzig/fünfzig Jahren,

gnadenlos abgeholzt. Und nicht etwa gerodet, um das Holz zu verwenden, nein, einfach abgebrannt. 

Was Regenwald war, ist heute die Kornkammer Paraguays. Soya, Mais, Zuckerrohr herrschen vor. 

Die Gegend ist hügelig und zeigt sich in saftigem Grün.  Wir erreichen die 

 

- Santísima Trinidad de Paraná -

 

Die ehemalige Jesuiten-Reduktion wurde 1706 vom Priester Juan de Anaya gegründet.

1728 hatte sie etwa 4000 Bewohner. 1993 wurde sie zusammen mit

Jesús de Tavarangüe von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

 Wir übernachten auf dem großen Parkplatz und besuchen am nächsten Morgen eine weitere 

Jesuiten-Guarani-Mission, die

 

- Jesús de Tavarangüe -

 

auch sie ein UNESCO-Weltkulturerbe und komplett restauriert.

 

Lola darf mit hinein und so lassen wir uns viel Zeit bei der Besichtigung.

 

Wieder auf der Ruta 6 unterwegs, werden wir von einem schwarzen Pickup überholt. 

Sein Fahrer fällt fast aus dem Fenster. Er winkt, händelt, strahlt uns an, lässt uns anhalten.

Freudestrahlend, im breitesten "Bärndütsch", begrüsst uns "Pedro".

Seine Eltern, Christine und Hans aus Rüschegg, sind vor 39 Jahren hierher ausgewandert. 

Wir erfahren, dass sich seine Eltern für den "Pro Cosara" einsetzen, den

 

letzten Urwald Paraguays.

 

Die Entscheidung, einen Abstecher ins Reservado Privado zu machen, ist schnell gefällt.

Über teils geteerte Straßen, teils Erdpisten erreichen wir die Procosara.

 

Das Urwaldschutzgebiet "San Rafael" befindet sich im Südosten Paraguays.

Seine Fläche von 73.000 Hektar ist eines der letzten und größeren Gebiete noch erhaltenen atlantischen Regenwaldes. 

 

Leider ist dieses Reservat eines der meist gefährdeten Gebiete.

Die Gefährdung San Rafaels besteht vor allem durch Holzeinschlag, Wilderei und Rodungen zur Acker- und Weidelandgewinnung. Häufig werden auch außerhalb San Rafaels Brandrodungen durchgeführt, die nicht selten außer Kontrolle geraten und auf das Schutzgebiet übergreifen.

 

 

Christine und Hans sind Selbstversorger mit 250 Hektar Land. Den Bio-Betrieb (100 Hektar)

hat Hans nach seiner Pensionierung, seinem Sohn Pedro übergeben.

Die beiden setzen sich seit Jahrzehnten ein, um

den Urwald zu schützen. WWF-Schweiz und viele Privatspender helfen ihnen dabei. Jetzt verlangt die Bank, dass sie jede einzelne Spende nachweisen müssen, mit einem Kontoauszug des Spenders. 

Natürlich ein absoluter Quatsch. Schon vom Datenschutz her nicht realisierbar. Die Spenden müssen nun eingestellt werden. 

 

Drei Wanderpfade haben sie durch den Urwald geschlagen. Von dreißig Minuten bis zu drei Stunden

wandert man durch dichte, grüne Wälder. Mit viel Glück bekommt man Kapuzineraffen zu Gesicht

und mit noch mehr Glück einen Puma. Wir sahen weder die einen, noch den anderen. 

 

Auf dem Sendero Chachi (Baumfarn-Weg) sind die Farne wirklich meterhoch.


 

Einer von den vielen Hunden der Familie Hochstettler begleitet uns auf der langen Tour.

In jedem Wasserloch, jedem Bach wird Abkühlung gesucht.

 

Die große Abkühlung im hauseigenen Teich am Schluss der Wanderung.

Auf dem Gelände tummeln sich über zwanzig Katzen, sieben Hunde, Rinder, Hühner, Echsen 

(dies nur, was wir gesehen haben!).

Bei einem Glas Wein erzählen sie uns von ihrem Leben, den Anfängen hier in Paraguay.

Es ist super spannend und wir quatschen bis tief in die Nacht. 

 

Nach zwei Tagen verabschieden wir uns und nehmen die 300 km lange Strecke "nach Hause" unter die Räder.

 

Wir nehem die Ruta 8, welche eigentlich, bis auf acht Kilometer, geteert sein sollte. 

Komisch, bei uns kommen 53 Kilometer Erdpiste auf den Tacho. 

Unterwegs plötzlich ein Geschepper und metallische Geräusche. Bruno hält an, ich springe raus...

Zwei Federn des rechten vorderen Stossdämpfers liegen auf dem Boden. 

Wir sammeln die Teile ein, legen sie in den Stauraum und fahren zurück nach Independencia. 

 

***********************************************************************************

 

Wir staunen nicht schlecht, als wir auf's Gelände fahren.

Die Jungs haben Vollgas gegeben. Die Piscina (Pool) ist ausgehoben bis auf die riesengroße Wurzel,

die eine Hälfte des Dachstuhles fast fertig, Gästehaus, Werkstatt und WC/Dusche für Reisende fertig gemauert.

Und, das Unkraut überwuchert das ganze geeggte "Feld". Dies war definitiv eine Fehlentscheidung.

 

Bruno kann die abgerissene Feder reparieren.

 

Auch unser Arbeiter, Manuel, hat viel gearbeitet. 

Hier in Paraguay ist es nicht üblich, den Arbeitern sowas wie einen 13. Monatslohn zu geben, oder

einen Zuschlag für speziell geleistete Arbeiten. Oft nagt mein schlechtes Gewissen, wenn

ich sehe, für wie wenig Lohn, wieviel und wie hart die Leute arbeiten. 

Und ich darf Manuel jetzt nicht einfach mehr Lohn geben, dies gäbe Ärger mit allen anderen

Arbeitgebern, aber ich kann meinen Dank anders kundtun. 

 

Auch seine Rinder sind von Maden und Würmern befallen. So kaufe ich ihm das Produkt, welches 

besser, aber eben auch viel teurer ist. Ich will zudem wissen, ob denn die Kühe nicht Wasser nötig hätten

und wenn ja, wie wir dies lösen könnten. "Einen Brunnentrog bauen", seine Antwort.  Hm...geht schlecht, denn

das Grundstück gehört nicht uns. Ich mach mich schlau. Ein Plastikfass aufschneiden, Wasser rein, fertig.

 

Und mein kleiner Garten platzt aus allen "Beeten". Die erste Zuchini kann ich ernten. Die Tomaten, Eisbergsalat, Erbsen, alles wächst um die Wette. Auch meine Baumsamen haben ausgeschlage. Es ist einfach nur super.

 

Manuel gräbt mir eine Fläche von 8 x 5 Meter aus, mein zukünftiger Garten.

 

Natürlich versetze ich sogleich Tomaten und Salate.

Bis am nächsten Mittag ist alles in Ordnung, dann kommen die Hühner vom Nachbarn, kein Salat mehr da!