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Willkommen Jahr 2022 auf dass du besser wirst als dein vergangenes!

 

1. Januar 2022

Der patagonische Wind gibt sich alle Ehre. Draussen sitzen ein Ding der Unmöglichkeit. Windböen bis zu (schätzungsweise) 

70 km/h durchschütteln unsere Wagen. Lynn und Celien jassen, also sind die Chancen groß, das sie Canasta schnell lernen. 

Bingo! Nachmittags,  nach einem langen Spaziergang, setzten wir uns zu uns rein und...spielen. Zwischendurch backe ich einen Zopf und eine Pizza. Nach dem Essen wollen wir Frauen Revanche.

 

Auch am Sonntag wird gespielt. Lynn ist voller Begeisterung für das Spiel. Bis Mitternacht sitzen wir zusammen.

 

Die extrem starken Winde entzünden die Augen von Lola,

also versuchen wir es mit der Brille. Wie jeder Hund, mag sie

das überhaupt nicht. Aber....da muss sie durch!

 

Montag 2. Januar 2022

Zusammen mit Lynn und Celien fahren wir ins Hospital SAMIC. Heute wird dort die Booster-Impfung verabreicht. Am Samstag hat man uns weggeschickt, Touristen würden nicht geimpft. Heute erklären wir den Leuten, dass wir nicht "normale" Touristen seien, die nur für zwei Tage hier sind, sondern seit fast drei Monaten im Land seien, und weiter drei bleiben würden. Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit. Von einemArzt werden wir befragt, dann kommt das O.K. Wir stellen uns in die Reihe. Ein neuer Impfausweis wird ausgestellt und wir können in den Impf-Saal. Der Krankenpfleger will meinen Impfausweis sehen, schaut und sagt: "Sputnik" okay! WAS??? Sputnik? Kommt überhaupt nicht in Frage! Moderna oder Pfizer! Ne, könne er nicht, stehe Sputnik auf dem Ausweis. Ich renne zurück zur Anmeldung, wo sie gerade Brunos Ausweis ausstellen. Ich erkläre dem Arzt, dass ich eine RNA Impfung brauche, da ich schon die Sinopharm hätte. Nach langem hin und her, willigt er ein und stellt mir einen neuen Ausweis aus mit Pfizer. Uff...Gott sei Dank.  Bei den Schweizern war es kein Thema. Sie waren schon mit Pfizer geimpft. 

Jetzt gehören wir also den Amis! Unser Konto wird vermutlich schon diese Nacht liquidiert und unser Pepamobil werden sie dann morgen abholen. Sollten die Verschwörungstheoretiker recht behalten, sind wir ab morgen Obdachlos und Harz-Vier-Empfänger!

 

07. Januar 2022

Alles bleibt beim Alten: Das Pepamobil ist noch da und auch auf unser Konto in der Schweiz haben wir noch Zugriff! Glück gehabt!

Beide hatten wir am darauf folgenden Tag Beschwerden am Oberarm und gegen Abend fühlten wir uns etwas schlapp! Lagen dann schon um achtzehn Uhr im Bett. Das war's! 

 

Jetzt wollen wir ans Ende der Welt, nach Ushuaia. Um dorthin zu gelangen, muss  man leider 277 km durch chilenisches Gebiet. Also müssen wir für Lola Papiere machen lassen. In Rio Gallegos  suchen wir einen Veterinario und werden an der Av. San Martin fündig. Lola ist schnell untersucht, das Certificado schnell ausgestellt. Nächster Stopp: Die Senasa. (Quasi das Bundesamt für Veterinärwesen) Die Señora entdeckt einen fehlenden Eintrag der Tollwutimpfung, also wieder zurück zum Tierarzt. Er hätte ja die Impfung nicht gemacht, aber bueno…Zurück in der Senasa dauert es eine halbe Stunde bis die Señora das Formular ausgefüllt hat. Jetzt muss ich zum Rapi pago (schnelles zahlen) um die 1.392 Peso zu überweisen.  Wieder bei der Senasa bekomme ich die Papiere ausgehändigt.

 

Wie ich beim Pepamobil ankomme ist Bruno mit zwei Touristen am palavern. Schon wieder Schweizer. Waadtländer! Corinne und Christian unterwegs mit Hund in einem Defender. Es fängt an zu Regen wir dislozieren ins Innere. Bei Tee, Käse, Knäckebrötchen und Äpfel wird ausgetauscht.  Nach zwei Stunden trennen sich unsere Wege.

 

 

Da wir am nächsten Tag über die Grenze nach Tierra del Fuego wollen, fahren wir die 53 km zur Grenzstation und übernachten vor Ort.  Um sechs in der Früh stellen wir uns schon in die wartende Autoschlange für die Ausreise aus Argentinien. 

 

Um sieben stehen wir  in der wartenden Manschen-Schlange, geöffnet wird aber erst um acht. Argentinier sind Weltmeister im Anstehen. Post, Bank, Einkaufszentren, Versicherungen ohne zu murren stehen sie stundenlang an. Für uns jedesmal nur der Horror.  Pro Auto darf nur der Fahrzeughalter ins Gebäude.  Die Migration erledigt Bruno relativ schnell. 

Bei der Aduana gibt es schon wieder Ärger. Der TIP vom MAN wurden am 10. Dezember annulliert!!!! Auf unserem TIP (Temporäre Einfuhrbewilligung) steht 22. Juni 2022. Der Zöllner, wie Bruno begreifen das Ganze nicht, es gibt keine Erklärung dafür. Aus diesem Grunde, macht der Zöllner kurzen Prozess, ignoriert es und stempelt ganz normal aus. 

 

 

Wir fahren die 1000 m zum chilenischen Zoll. Ausser, dass wir keinen Impfnachweis und keine Eidesstattliche-Erklärung ausfüllen müssen,  bleibt aber leider das Prozedere das gleiche. Migration, Aduana, Senasa.

Hier muss ich mit hinein. Pässe abgeben, TIP machen, dann die Senasa. (Frucht und Fleisch Kontrolle) Ein junger freundlicher Zöllner will die Papiere von Lola, will wissen wie schwer sie ist!?!? Ist zufrieden und will in den Truck steigen. Der hat aber die Rechnung ohne Lola gemacht. Wie eine Furie verteidigt sie ihre Hütte. Sie wird ins Führerhaus eingesperrt, jetzt ist der Weg frei für die Kontrolle. Meine deklarierten Bananen und die Ingwer-Wurzel fallen der Fruchtkontrolle zum Opfer und werden konfisziert. Unsere Holzkeile für den Truck dürfen wir behalten, -diesmal- sind gespannt was es nächstes Mal heisst. Honig und Holz ist schlimmer als Marihuana. 

 

Es ist ein sog. Korridor, welcher während der Pandemie eingerichtet wurde um die Städte Argentiniens in Feuerland zu versorgen,  für die 227 km haben wir 24 Stunden Zeit, um Chile wieder zu verlassen! Na ja, ist ja erst zehn, die 53 km zur Fähre und dann die 163 km bis zur argentinischen Grenze werden wir wohl in ein paar Stunden schaffen. Um halb zwölf sind wir auf der Fähre und um 14:30 h am chilenischen Zoll in San Sebastian. Ausreise aus Chile und wieder Einreise in Argentinien gehen relativ flott. Um Sechszehn Uhr stellen wir uns direkt an der Ruta 3 in eine kleine Einfahrt, geniessen ein Bier und heftigen  Wind.

 

In Rio Grande füllen wir den Kühlschrank und fahren bis zum Lago Fagnano. Der Wind ist so heftig, dass wir irgendwann  die Hütte umstellen mussten, mir wurde schlecht! Das Wetter diesig, kalt, regnerisch.... Tierra del Fuego halt!

 

Die Stecke ans Ende der Welt, für die Argentinier ist es Puerto Harberton, für die Chilene Puerto Williams, beide am Beagle-Kanal, gelegen ist wie immer eine Augenweide. Die Landschaft ist grün, die Bäume wachsen mit dem Wind, als ergeben sie sich ihrem Schicksal. Die vielen Schafe, einige Pferde und wenig Kühe leben in einer surrealen Gegend. Überall liegen tote Bäume. In dieser rauen Umgebung brauchen sie hunderte, wenn nicht tausende von Jahren um zu verrotten. Vielleicht liegt hier ja der nächste versteinerte Wald.

 

Zweiundfünfzig  Kilometer fahren wir dem Beagle-Kanal entlang, bis wir „unseren“ Stellplatz  am Rio Cambáceres erreicht haben. Wir stellen uns in den Wind, hieven den Windgenerator und bleiben drei Tage hier.  Das Wetter ist, wie es sein soll. Es gibt Tage da  ziehen alle vier Jahreszeiten vorbei. Von Schnee, Regen, Hagel, Sonne pur alles da, aber immer begleitet von viel Wind.

 

Kaum sind wir hier, fährt auch schon das erste Kreuzfahrtschiff aus der Antarktis kommend zurück nach Ushuaia. Gegen neunzehn Uhr läuft das erste schon wieder aus. Bei uns beginnen die Schwärmereien und Spinnereien!!!!

 

Wir lieben dieses Stück Erde. Die Landschaft ist atemberaubend schön. Hier kann man sich gar nicht vorstellen, dass der Mensch im Begriff ist, die Erde zu vernichten. 

 

Wir ziehen Lola jetzt immer die Schutzbrille an. Gestern fand sie das überhaupt nicht lustig, ist nach zehn Meter einfach ins schönste Platz, und tat keinen Schritt mehr. Wir sind dann einfach weiter gelaufen und nach guten fünf Minuten kam sie dann hinterher. 

 

Lola darf ja immer draussen sein, wenn sie will, doch dann hatte sie plötzlich ein Problem, als sie auf der anderen Seite war und wir sie zurückgerufen haben. Lange hat sie überlegt was sie jetzt machen soll. Anscheinend war ihr das Wasser doch zu kalt. 

 

Antarktis ist wieder ein Thema. Wir fangen an zu diskutieren. Ja? Nein? Sollen wir noch einmal? Was ist mit Lola? Gibt es in dieser Woche überhaupt ein Schiff, das die grosse Tour fährt? Gehen wir zusammen, oder getrennt, wegen Lola!  Bruno würde nie alleine gehen, ich schon! Reden hilft nichts, wir müssen nach Ushuaia, nur vor Ort bekommen wir Antworten.

 

Ein toller Regenbogen über dem Beagle Kanal.

 

10.Januar 2022

Auf dem großen Parkplatz beim Bahnhof Tren al fin del Mundo stellen wir uns mitten aufs Gelände und verschicken Anfragen an diverse Antarktis-Anbieter. Wie wir so dasitzen, fängt auf einmal unsere Waschmaschine an abzupumpen. Lange Gesichter!! A: wieso hat die Maschine Strom? B: wieso ist Wasser in der Maschine. Die Kontrolle ergibt! Ich habe vergessen den Hauptstromschalter abzustellen, Wasserhahnen ist aber zu. (Kugelhahnen) Also woher kommt das Wasser???? Bruno macht sich an die Arbeit und baut die Maschine  aus.

Er findet rein gar nichts. Keine lockere Schlauchschelle, kein loser Wasserzulauf. Nichts! Er ist ratlos und stellt die Maschine wieder zurück an ihren Platz. In Zukunft heisst es beobachten, bevor die Hütte unter Wasser steht.

 

11. Januar 2022

Vier Anfragen per E-Mail und der Besuch bei Quark Expedition verlaufen ins Leere. Alle Schiffe liegen vor Anker.  Wir verstehen das Ganze gerade nicht. Erst ein Walliser-Paar bringt Licht ins Dunkle. Vor drei Tagen ist ein Schiff ausgelaufen, via Antarktis, als zwei Tage später der erste Corona-Fall entdeckt wurde. Das Schiff musste umdrehen, seither sind alle Kreuzfahrten in die Antarktis eingestellt. Bis auf Weiteres! 

 

 

12.Januar 2022

Happy Birthday Renate

 

Schon wieder ein Jahr älter. 65 ist auch schon eine hohe Zahl, man tröstete mich mit dem Spruch: "du bist so alt wie du dich fühlst!" Tja, was nützt es, wenn ich mich wie 40 fühle, aber einen Blick in den Spiegel mir was ganz anderes sagt. 🥴🥴🥴🥴

 

Zur Feier des Tages gehen wir Essen. Das Restaurant ist noch wenig besucht, Impfausweis müssen wir keinen vorweisen. Zum Tischnachbarn gerade mal fünfzig Zentimeter! 

 

Als wir das Restaurant verlassen sind bestimmt an die 50 Personen anwesend. Wenn jetzt einer das Virus hat, sind wir alle angesteckt, ausser die Impfung bringt was! 

 

Marita hat mir ein tolles Video geschickt

mit dieser Karte dazu. Wie passend! Danke euch!

 

Na ja, so steht fest, dass wir wieder nordwärts ziehen. Wir versuchen einen Einreisebewilligung für Chile zu erhalten, mal schauen wie lange das Prozedere dauert. 

 

23. Januar 2022

Nein, wir haben kein Corona, dafür gab's auch keine Internetverbindung die uns erlaubt hätte, eine Seite im Netz zu öffnen. Aber jetzt sind wir wieder online und können weiterschreiben. 

 

Wir haben Ushuaia spätnachmittags verlassen. Wir nehmen die Ruta Provincial 18, welche uns zum Logo Yehuin führt. Wir bleiben zwei Tage und erkunden die Gegend. Die Bäume sind wieder mit Flechten behangen, man sagt; diese bilden sich nur bei extrem sauberer Luft!

 

Gegen Mittag vom 16. stehen wir am  argentinischen Zoll. Dieser ist schnell erledigt, wir fahren zum chilenischen Zoll. Diese machen "Mittagspause" von 14 bis 15 Uhr. Eine lange Menschenschlange  steht schon an! Jetzt wird es etwas knapp für uns. Wir fragen ob wir unterwegs übernachten dürfen. Nein, auf gar keinen Fall. Prohibido! Okay, was machen wir? Wenn wir richtig Gas geben sollte es sich ausgehen mit, Fähre und zwei weiteren Zollstationen. Brunos nächster Reisebericht handelt davon, also nur soviel; mit 90 km/h rasen wir durch Tierra del Fuego. Ich mag zwischendurch schnelles Fahren, Bruno tut der Motor leid, der müsse viel zu viel arbeiten, das wäre nicht gut für die Kolben. Pustekuchen, das muss unser Truck aushalten, pasta! Der Dieselverbrauch schnellte auf 26 l hoch. 

 

Wieder in Argentinien geht's nach Rio Gallegos wo wir 38 km ausserhalb übernachten und bis Montag warten müssen um Geld bei Western Union zu bekommen. Den ganzen Sonntag über regnet es, die Temperaturen um die vier Grad.

 

 

16. Januar 2022

Rio Gallegos, eine typisch argentinische Stadt. Quadratisch, praktisch, kalt, windig, eher hässlich, aber…hier bekommt man fast alles, wenn die Geschäfte nicht wegen Corona geschlossen sind. So finden wir einen „Reformladen“. Für 22’000 Pesos 86 CHF (mit dem Blue-Dollar-Kurs) kaufe ich: 5 kg div. Nuss-Sorten, Kakaopulver, Kurkuma, Coco-Pulver. Bei Western Union holen für 500 $ Pesos ab. Ein Paket von 116’000 bekommt Bruno ausgehändigt. Wir müssen immer nachfragen gehen wieviel sie auszahlen. In den kleinen Ortschaften haben sie fast nie Geld für diesen Betrag. In den Touristenorten ist der Bezug auf 60 oder 80’000 beschränkt. Natürlich weiß jeder Tourist, dass man bei WU den Blue-Dollar-Kurs bekommt, also das doppelte was die Bank ausbezahlt, oder wenn man mit Kreditkarte bezahlen würde, also geht jeder zu WU, dementsprechend schnell ist die Kohle weg.  

Jetzt fehlt noch das auffüllen des Kühlschrankes, dann sagen wir „adios Rio Gallegos", denn wir kommen nie mehr zurück. Mit gemütlichen 75 km/h geht es auf der Ruta 40 wieder nordwärts. Zweimal übernachten wir, bevor wir auf die RP41 abbiegen können. Unterwegs sagen wir „adíos zum Gletscher Perito Moreno und zum Bergmassiv Fitz Roy welcher uns aus der Ferne noch einmal seine volle Pracht zeigt. Denn auch hierher werden wir (vermutlich) nie mehr zurückkommen. Etwas Wehmut liegt in der Führerkabine. Rasch legen wir einen Gang ein, schalten die Bose-Box an und lauschen weiter unserem Hörbuch, wollen keine trübe Stimmung aufkommen lassen. 

 

Die ersten 72 Kilometer der Ruta 41 sind wieder einmal ein Horror. Die Piste wurde bestimmt seit, Corona-Zeitalter, nie mehr geschoben. Das Ripio (Wellblech) ist grob, viele Unebenheiten und Löcher welche dem Truck zusetzen. Wieder einmal tut mir unser Pepamobil leid. Die ganzen Schläge sind bestimmt nicht gut für unser Chassis. 

 

Wieder übernachten wir zwischen den beiden Lagunen. Es ist windstill und die Temperaturen steigen für einmal über 20 Grad. Auch werden die Nächte etwas länger. In Ushuaia wurde es ja eigentlich nie richtig dunkel, die Nächte blieben hell, waren wir doch auf dem 50 Breitengrad.

 

Wir freuen uns auf die nächsten 90 Kilometer, wissen wir doch genau was uns erwartet. Ich fahre, Bruno lässt die Drohne steigen und filmt. 

 

Ich gehe mit Lola zum "Cerro Bóleados" als ein Hase zwei Meter vor uns davon rennt. Das war definitiv zu nah, alles "steh", no, retour, stieß auf taube Ohren. Lola rennt dem Hasen hinterher, den Hang hoch. Na dann... nach ein paar Minuten sehe ich einen weissen Fleck im oberen Teil des Berges. Entfernung? 800 Meter! Ich pfeife. Sie bleibt stehen schaut zurück. Rennt weiter. "Die kann mich mal da unten", wohl ihr Gedanke. Ich pfeife noch einmal, diesmal dreht sie sich um, überlegt, wieder ein Pfiff und wow, Lola lässt ab von den inzwischen zwei Hasen und kommt zurück. Wir haben wirklich einen tollen Hund! 

 

Der Wind wird gegen Mittag stärker und Wolken ziehen auf und wir erreichen ungefähr in der Mitte der Strecke den Übernachtungsplatz. Eingebettet in die tolle Berglandschaft, gehen mit Lola die Gegend erkunden und geniessen den Apéro draussen. Wir sind beim Abendessen, als die ersten Regentropfen fallen. Fast die ganze Nacht regnet es. 

 

Am Morgen strahlender Sonnenschein. Bruno will zeitig starten, falls es wieder Regen geben sollte. Mit Windstärke 40+ bekommt die Drohne langsam Seitenlage. „Stopp“ ruft Bruno, „ich habe kein Signal mehr! Scheiße ich habe die Drohne verloren. Ah nein, das Signal ist wieder da“, ruft er erleichtert. „Nein, nicht schon wieder, fahr, fahr fahr“!!! Ich gebe Gas, doch die Drohne ist weg. Plötzlich die Meldung: „low batteries, return back home“! Ab da Funkstille. Der Kontakt wird abgebrochen. Wir fahren etwas zurück. Ratlosigkeit. Auf dem Tablet sind drei GPS Punkte. Bruno zieht Wanderschuhe an und läuft los. Bis ich meine Schuhe angezogen habe, ist er schon hinter der ersten Anhöhe verschwunden. Nach 1 1/2 Stunden kommt er völlig erschöpft aber mit der Drohne zurück. Er fand sie 20 Meter vom Startpunkt entfernt in einem Busch. Glück gehabt. Natürlich suchte er zuerst bei den beiden anderen Punkte, 3 Kilometer in dornigem Buschland vergebens abgesucht!

 

Gegen Mittag treffen wir in Los Antiguos ein und steuern die Touristeninformation an. Dort gibt es WiFi. Natürlich fällt Bruno sofort der Mercedes Sprinter auf und er geht schauen. Wieder Walliser! Sind denn aller Walliser in Argentinien, oder was? Bea und Pierre. Sofort wird lebhaft diskutiert. Ich schlage vor, dass wir zum Holländer essen gehen, anstatt hier draussen im Wind zu quatschen, da es sowieso Essenszeit ist. Die beiden versuchen gerade den Antrag für die Einreise nach Chile zu machen. Sie sind gestresst, finden es unerhört was man alles machen muss. Ich schaue in meinen E-Mail Account. Tatsächlich, ich bekomme die Bestätigung für die Einreise, mit der Aufforderung noch das Formular C19 auszufüllen. Bruno bekommt auch Post von den Chilenen. Wir haben beide genau das gleiche ausgefüllt, ihm sagen sie, dass er dies und das, jenes und dieses so ausfüllen müsse, damit sie auf seinen Antrag eingehen könnten. Wir machen lange Gesichter! Zweimal das gleiche, ist bei den Chilenen zweimal was anderes. Ich klemme mich hinter das C19 Formular und komme gleich-weit wie Bea und Pierre. Im Gegensatz zu ihnen aber, haben wir die Carretera Austral schon sechs Mal befahren, wir müssen nicht unbedingt dahin. Zur gleichen Zeit kommt von Lynn und Celien die Nachricht, dass die Chilenen am Rad drehen, die Fallzahlen steigen senkrecht nach oben. Grenzen werden nur noch Dienstag und Donnerstag geöffnet und sie daher nächste Woche wieder nach Argentinien kommen würden. Alles Infos die für uns klar den negativ Entscheid auslösen. Wir verzichten auf Chile. Auch Pierre wird langsam wütend und zusammen mit Bea beschliessen sie auf die Carretera zu verzichten. 

 

Wir finden einen ruhigen Platz am Rio und verbringen zwei Tage mit essen, quatschten, und Aerobic machen. Bea ist noch vieeel sportverrückter als ich. 

 

Am Sonntag trennen sich unsere Wege, wir bleiben aber in Kontakt und sehen uns sicher wieder. 

 

Von Corinne und Christian und Lynn und Celien erfahren wir von Polarsteps, eine APP wo man seine Reisroute aufzeichnen und Fotos posten kann. Wir finden das eine tolle Sache und melden uns an. Wir beginnen den Trip am Ende der Welt, denn unsere ganze Reise nachträglich aufzeichnen ist ein no-go!  Hier den Link dazu:  https://www.polarsteps.com/RenateFurer

 

24. Januar

Die Fahrt geht bis Rio Mayo. Dort stellen wir uns an den Rio und brutzeln das Abendessen. Eine kurze WhatsApp an Bea, mit unserem  Standort...fünf Minuten später stehen sie auf der Matte! Sie standen bei der YPF-Tankstelle. Tja, auch in Argentinien ist die Welt manchmal klein.

Zusammen verbringen wir die nächsten drei Tage an der Laguna La Zeta. Die Tage sind angenehm warm, die Nächte kalt. Bea ist eine Sport-Fanatikerin. In der Schweiz schwimmt sie 365 Tage im Jahr, also springt sie auch hier in jeden See. Sie fragt ob ich mitkomme. Kann ich denn nein sagen? 

 

26. Januar 2022

Die beiden "valaisan" verlassen uns und fahren zur Piedra Parada, während wir auf Lynn und Celien warten. Sie stehen in Futaleufu an der Grenze und warten seit 40 Stunden auf ihren PCR Test. Die Situation in Chile hat sich mit der Omikron Variante wieder zugespitzt. Grenzen wurden wieder geschlossen und die die noch offen sind werden nur noch zweimal die Woche bedient. 

Sie befürchten, dass Chile wieder "dicht" macht und auch sie möchten nicht im erneuten "Lockdown" in Chile sein. 

 

Das Reisen wird wirklich immer schwieriger. Um Argentinien zu verlassen, muss man eine Bewilligung einfordern, wie doof ist das denn? Es braucht einen Mobilitätspass, eine  Eidesstattliche Erklärung, den PCR Test, eine KK die Covid abdeckt, dann erst kann man nach Chile einreisen. 

 

Seit dem letzten Ölwechsel sind schon wieder 10'000 km mehr auf dem Tacho. Wir steuern einen Lubicentro an und können direkt über die Grube fahren. Während das Pepamobil neues Öl bekommt, düse ich ins Fitnesscenter.