Peru Teil III
17. August 2025
Nach einer Stunde habe ich mich von der Aufregung wieder gefasst – rückblickend war meine Nervosität wohl übertrieben.
Die Route führt uns auf der PE-3N erneut über den Andenpass in mehr als 4.700 m Höhe. Nur drei Dörfer müssen wir durchqueren, deren Straßen immerhin eine „normale“
Breite aufweisen.
Etwa zwei Stunden später zeigen sich die ersten markanten Bergketten und kündigen die Cordilleren eindrucksvoll an.
Schon im 2016 hat mich diese Felsformation begeistert.
An der Laguna Conococha machen wir Halt für eine kurze Mittagspause. Wir beobachten eine Andenmöwe bei der Nahrungssuche und spüren dabei den kräftigen Wind, der über den See hinwegfegt.
Zwanzig Kilometer Emmentaler-Straße bis Catac….
Um fünfzehn Uhr parken wir unser PeMo auf einem großen Platz eingangs Ortschaft, es reicht!
18. August 2025
Trotz der Nähe zur Straße haben wir gut geschlafen. Um acht Uhr fünfzehn geht es schon los. Durch die Ortschaft hindurch, und fünf Kilometer weiter: Straßensperre. Baustelle – bis 12:00 Uhr CERRADO!
Ich frage nach, doch es bleibt dabei: bis 12 Uhr geht hier nichts! Also mache ich mich auf und gehe schauen, einfach so. Was ich sehe, macht mich doch etwas stutzig: fünf Männer, die diskutieren, ein Camion, von dem Zementsäcke auf die Fahrbahn geworfen werden, und zwei Männer, die den Zement von Hand verteilen!
Nach einer halben Stunde kommt ein Mann zu uns und sagt, es gebe einen Weg außenrum – den würden alle nehmen, sogar die Camiones! Er zeigt uns auf Google Maps, wo es langgeht, und wir fahren los. Es sind zehn Kilometer Umweg, dafür brauchen wir eine Stunde. Dann sind wir zurück auf der Hauptstraße.
Bis Huaraz sind es nur 30 Kilometer, doch dank der Schlaglöcher brauchen wir dafür nochmals zwei Stunden.
Wieso wir uns so oft über die Strassen von Peru ärgern!
Wir haben die Schnauze voll!!!!!
Beim Fußballstadion quetschen wir uns in eine Parklücke. Bruno bleibt im PeMo, ich laufe zum Mercado Municipal. Es ist immer wieder herrlich, in diesen Märkten einzukaufen. Zuerst viel Krimskrams, dann Fleisch und Hühner – zig Stände. Danach Gemüse und Früchte, höchstens fünf Stände. Hier finde ich sogar Nüsse und Samen. Alles da, was wir essen. Super! Ich muss zweimal hin, sonst wäre es zu schwer. Aber es sind nur 400 Meter – also kein Problem.
Und jetzt die große Frage: Was machen wir? Besuchen wir noch einmal den NP Huascarán mit seinen Bergen und Lagunen? War es wirklich so schön, dass wir noch einmal die beschwerliche Piste da hochfahren? Nee, sorry – nicht wirklich!
Gut habe ich Fotos von vor 10 Jahren.
Aber was ist mit den Puya Raimondii?! Mein lieber Mann hat auch dazu keine Lust, auch hier, wieder eine Stunde hin und zurück, für was?
Auch hier, Bilder und Text von 2016 noch mit Lola
Puya raimondii
Die Puya raimondii gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae) und ist die größte Vertreterin dieser Pflanzenfamilie.
Diese außergewöhnliche Pflanze beginnt erst im Alter von etwa 40 Jahren zu blühen, und das nur ein einziges Mal in ihrem bis zu 100-jährigen Leben. Ihr imposanter Blütenstand ist einzigartig: Er trägt zwischen 6.000 und 10.000 Einzelblüten, die in der Zeit von Mai bis Oktober erblühen.
Aus der Blüte entstehen zwischen 6 und 12 Millionen Samen von etwa 4 Millimetern Durchmesser. Nur ein sehr kleiner Teil dieser Samen findet jedoch die idealen Bedingungen, um erfolgreich zu keimen und neue Pflanzen hervorzubringen.
Für die Bestäubung sorgt der Grünkopf-Andenkolibri.
Auch den legendären Cañón del Pato lassen wir aus. Wir sind die Strecke schon dreimal gefahren, jedes Mal ein Abenteuer für sich. Beim letzten Mal war die Straße asphaltiert, und wir haben einmal leicht touchiert.
Ein Film unserer letzten Durchfahrt
So machen wir uns auf den Weg zur Küste. Doch bevor es hinuntergeht, führt uns die Straße noch einmal hinauf auf über 4.200 Meter. Vom Mirador aus gönnen wir uns einen letzten Blick auf die Cordillera Blanca – ein Foto muss natürlich sein. Doch der Anblick ist auch ein wenig traurig: Die Gletscher sind kaum mehr zu erkennen, der Klimawandel hat hier bereits ganze Arbeit geleistet.
Ab 15 Uhr halten wir Ausschau nach einem Schlafplatz – doch wir finden nichts. Die Straße klebt am Berg, führt durch enge Ortschaften und immer dem Fluss entlang. Auf Google Maps entdecke ich schließlich ein Haus mit einem relativ großen Platz. „Komm, lass uns hier fragen, ob wir übernachten können.“ Wir parken, ich gehe nachsehen – niemand da.
Gegenüber stehen zwei Häuser. Vor dem linken eine Familie draußen beim Auto. Ich gehe hinüber und frage, ob sie vielleicht die Nummer des Nachbarn hätten. Wir würden gerne die Nacht dort verbringen. Nein, haben sie nicht. Stattdessen schenkt mir die Frau eine riesige Papaya und geht ins Haus zurück.
Wir essen, schauen etwas Fernsehen, als gegen 19 Uhr zwei kleine Laster auf den Hof fahren. Also gehe wieder ich hinaus, suche den „Jefe“ und frage, ob wir übernachten dürfen. „Ich bin nur der Mieter, du musst den Besitzer fragen.“ – „Okay, wo ist er?“ „Gegenüber, im rechten Haus.“ Hä, echt jetzt? Wir gehen zusammen hinüber. Der Besitzer ist nicht da, aber eine Frau (nicht seine) ruft ihn an. Es wird lange gequatscht. Schließlich die Antwort: Der Mieter müsse entscheiden. Die Frau hilft mir, ihn zu überzeugen, dass wir nicht gefährlich sind und am Morgen weiterfahren. Schließlich bekomme ich das Okay.
Also zurück ins PeMo. Zwei Stunden später klopft es energisch. Vor der Tür stehen zwei resolute Frauen. Sie seien die Besitzerinnen, und wir könnten hier auf keinen Fall übernachten, das Gelände sei vermietet. Ich versuche zu erklären, dass der Mieter einverstanden war. Die Jüngere spricht ziemlich aggressiv. Als ich sie darauf hinweise, meint sie nur: „Ich spreche immer so.“ Dann die Ansage: Die Miete koste sowieso 200 Soles und wir müssten hier weg.
Bild von Google Maps mit dem grossen Platz!!!
Bruno wird es zu doof, komm, lass uns fahren. Wir packen zusammen und fahren in die Nacht (wir fahren nie nachts). Keine
10 Minuten später wieder ein paar Häuser, mit einem grösseren Platz. Fahr hier rückwärts rein und gut ist, sage ich zu meinem Mann.
19. August 2025
Keiner kam und hat uns weggeschickt. Dafür stellte sich ein Kühllastwagen quer direkt vor uns! Super. Geschlafen haben wir aber trotzdem gut.
Am Morgen sind wir wieder früh unterwegs. Nur 57 Kilometer bis zum „Camping“ Fundo Pampas del Rosario. Die Stimmung hebt sich: Die Berge bekommen wieder Farbe, Formen und Reliefs, und entlang der Straße breiten sich endlose Mangoplantagen aus.
Schon vor zehn Uhr sind wir auf der Farm. Sofort wird angepackt: Großputz: Wäsche (5 Trommeln), Kühlschrank und Tiefkühler bekommen eine gründliche Reinigung, genauso wie WC und Dusche.
Während ich mich ums Innere kümmere, kriecht Bruno unter den Truck und schaut nach, ob alles heil geblieben ist.
Gegen sechzehn Uhr sind wir durch – ab jetzt wird gechillt.
20. August 2025
Nichts tun ist angesagt. Also marschieren wir hinauf zum ‚Cruzero‘, vorbei an ausrangierten Paprikaplantagen, die den Mangos Platz gemacht haben.
21. August 2025
Die Diskussionen, wie wir weiterfahren wollen, laufen heiß. Bruno plädiert wieder für die Berge, ich für die Küste. Das Dafür und Dawider wird sorgfältig abgewogen.
Bis Trujillo geht es erst einmal der Küste entlang.
Heute wieder einmal eine Autobahn – was für eine Wohltat! Aber selbst hier schaffen sie es, vor den Kreiseln Lomos / Bodenschwellen zu bauen. Hier nennt man sie „Rompe Muelle“ – Federbrecher. Hundertprozent richtig!!!
Unser Übernachtungsplatz liegt wieder einmal am Meer.
Wir haben keine Ahnung, was hier passiert ist: Überall liegen zerstörte Häuser in Trümmern. Wurden sie vielleicht illegal gebaut?
21. August 2025
Beim Wegfahren frage ich nach. Jawohl, ohne Baubewilligung. Vor zwei Monaten kam ein Bagger und hat alles plattgemacht. 🤷🏼♀️🤷🏼♀️😱
Heutiges Ziel: Die „Caballitos de Totora“, die traditionellen Schilfboote aus Peru.
Den Weg dorthin müssen wir uns aber durch die Stadt Trujillo verdienen. Ein Verkehrschaos und Baustellen, ohne Ende.
Einige Kilometer vor der Beach bemerke ich, dass wir direkt bei Chan Chan vorbei kommen. Bitte links abbiegen, ordere ich Bruno an. Auf dem Parkplatz angekommen bemerken wir, dass der Beifahrersitz schon wieder Luft verliert. Mein lieber Mann ist noch so froh, kann er diesen reparieren, während ich die...
ist (war) die größte Lehmziegelstadt der Welt. Hier schlug einst das Herz des Chimú-Reiches, das lange Zeit die gesamte Nordküste Perus beherrschte.
Die Stadt erstreckte sich über rund 20 Quadratkilometer und war Heimat von zehntausenden Menschen. Mächtige Paläste, Tempel, Wohnviertel und Werkstätten zeugen noch heute vom Reichtum und der Kunstfertigkeit der Chimú. Besonders beeindruckend sind die Reliefs an den Mauern – mit Mustern aus Fischen, Vögeln und Wellen, die den engen Bezug zum Meer widerspiegeln.
Verbindungsgang zwischen den Eingangshöfen des nördlichen und des zentralen Sektors. Außerdem verbindet er den Korridor, der zum Huachaque führt, sowie den breiten
Gang, der bis zur Grabplattform reicht.
Durch diesen Durchgang bewegt sich der Trauerzug, in dem die Mumie des Herrschers auf einer Bahre getragen wird, vom ersten zum zweiten Eingangshof und anschließend
bis zur Plattform.
Ein Raum, ähnlich dem nördlichen Eingangshof, jedoch kleiner. Hier dürfte sich ebenfalls ein Ritual um dieselbe Mumie abgespielt haben, allerdings mit anderer Bedeutung. Im großen Hof erscheint die Mumie des Herrschers als Verkörperung des Ahnengründers, während sie sich im kleineren Hof als die sterblichen Überreste des Herrschers zeigt, dem sie zu Lebzeiten gehörte.
Dieses Ensemble von Höfen ist Teil der Abfolge Eingangshof – Audienzhof – Vorratshof, in deren Kontext offenbar ein spezielles Ritual stattfand. Dabei vollzieht
sich ein Übergang von der rituellen zur wirtschaftlichen Dimension.
In Nik An ist es häufig der Fall, dass vor jedem Audienzbereich menschliche Bestattungen dokumentiert werden.“
Trotz des trockenen Klimas gelang es den Chimú, mit ausgeklügelten Kanälen und Reservoirs Landwirtschaft zu betreiben. Erst die Inka beendeten um 1470 die Blütezeit dieser faszinierenden Kultur.
Seit 1986 gehört Chan Chan zum UNESCO-Weltkulturerbe. Doch Regenfälle und das Klimaphänomen El Niño setzen den Lehmruinen stark zu. Besucher können heute vor allem den teils restaurierten Palast Tschudi besichtigen und sich dort auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben.
Im 2014 hat man angefangen die Hauptteile zu überdachen, diese stören extrem auf den Fotos.
Als ich zum PeMo zurückkomme, ist Bruno im Gespräch mit einem englischen Paar, unterwegs in ihrem Defender. Sie kommen gerade von der Strecke Celendín Leymebamba. Sie zeigen uns ein kurzes Video, und jetzt ist auch Bruno bereit, die Küste hochzufahren. Uff….
Wir haben die Strecke zweimal befahren – nichts für schwache Nerven. Beim ersten Mal war sie noch nicht asphaltiert, beim zweiten Mal frisch geteert. Das hat mir (Bruno) einige Reklamationen eingebracht, da ich (angeblich) zu schnell gefahren bin.
Heute ist die Strecke wieder voller Schlaglöcher, was bei dieser Streckenführung eine echte Herausforderung darstellen kann – besonders mit dem Lastwagen.
Für alle, die Lust und Zeit haben: Hier die Bilder dazu.
Wir verabschieden uns, und wir fahren die sechs Kilometer zur Playa Huanchaco.
Wieder eine Tortur. Baustellen, Lomos und Schlaglöcher machen sich Konkurrenz.
Gottseidank finden wir einen guten Platz um unsere Hütte ganz in der Nähe der Playa zu parkieren.
Schnell sind wir bei den Caballitos de Totora.
Die „Caballitos de Totora“ werden seit rund 3000 Jahren an der Nordküste Perus benutzt, besonders von den Kulturen Mochica und Chimú. Sie gelten als eines der ältesten noch benutzten Wasserfahrzeuge der Welt.
Material:
Sie bestehen aus Totora-Schilf (Schoenoplectus californicus), das in den dortigen Sümpfen wächst. Das Schilf wird zu dicken Bündeln gebunden, die vorne spitz zulaufen.
Verwendung:
Fischer benutzen sie traditionell zum Hochseeangeln und Transport. Der Name „Caballito“ (Pferdchen) kommt daher, dass die Fischer beim Paddeln oft reitenartig auf dem Boot sitzen.
Das Ganze scheint uns doch eher nur noch für die Touristen. Ob da überhaupt noch jemand zum Fischen hinausfährt?
Für meinen Vorschlag, essen zu gehen, hat Bruno kein Gehör. Alles frittiert, alles aus den Zuchten – nein, wir wären sowieso wieder enttäuscht. Nun denn, so suchen wir uns einen Platz für die Nacht und kommen an diesen Lotes vorbei. Ob wir eines kaufen sollen? 50x100 m .😱
23. August 2025
Die Nacht war super ruhig – keiner hat gestört oder laute Musik gemacht. Kunststück, es wohnt ja auch noch keiner hier. 😉
Gegen halb zehn rollen wir zurück auf die Hauptstraße 1N. Die ersten 100 km führen wieder nur durch Müllhalden und vollgestopfte Ortschaften, über „Rompe Muelle“, obwohl es eine Autovía ist.
Nach Chepén geht es plötzlich zügig voran. Im iOverlander ist einen Übernachtungsplatz angezeigt, der als „atemberaubend“ beschrieben wird. Den peilen wir an.
Der Wind pfeift kräftig über die Klippe, trotzdem drehen wir eine Runde.
24. August 2025
Wir haben gut geschlafen, gegen halb neun rollen wir wieder Richtung Hauptstraße. Konten wir gestern wegsehen, gelingt es uns heute nicht!
Unser Ziel: Lambayeque, genauer das Museo Tumbas Reales de Sipán.
Um zehn stehen wir vor dem Eingang, bezahlen 5 Soles für „Ü60“ und 2 Soles für’s Parkieren und tauchen ein in eine längst vergangene Zeit.
Das Museumsgebäude ist eine moderne Nachbildung der Grabpyramide von Huaca Rajada. So wie bei der Ausgrabung führt der Rundgang von oben nach unten bis zur originalgetreu rekonstruierten Grabkammer des Señor de Sipán.
Pech hatte, wer damals Hauptfrau, Oberst, Sohn, Wächter, Hund oder Lama des Herrschers war – er musste mit auf die Reise ins Jenseits.
Die rekonstruierte Grabkammer – eindrücklich mit allen Beigaben. Frauen, ein Kind, vielleicht der Sohn? der Wächter und sogar Tiere begleiteten den Señor de Sipán auf seiner Reise ins Jenseits.
In der Mitte der Grabkammer stand der Hauptsarg; zu beiden Seiten zwei junge Frauen – die eine die Hauptfrau, die andere offenbar zum Zeitpunkt der Bestattung geopfert. Ein Mann war der dritte Begleiter. Ein Kind lag in Gesellschaft eines Hundes und einer Schlange. In der Ecke wurde ein enthauptetes Lama platziert. In den Wandnischen stellte man etwa ein halbes Hundert Gefäße mit Speiseopfern auf.
Die Sipán-Kultur war Teil der Moche-Kultur im Norden Perus (1.–7. Jh.) Der Fund gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Südamerikas und gibt tiefe Einblicke in Macht, Religion und Kunst der Moche.
Der Viejo Señor de Sipán („der Alte Herr“) wurde etwas später im selben Komplex entdeckt. Man nimmt an, dass er älter als der Señor de Sipán war, sowohl biologisch (er starb im fortgeschrittenen Alter) als auch historisch (er lebte früher).
Das erlesenste Schmuckstück des Alten Herrn von Sipán war diese Nasenornament aus Gold, Silber und Türkis, das vermutlich sein miniaturisiertes Abbild mit Waffen und einem Kopfschmuck in Form einer Eule mit ausgebreiteten Flügeln darstellt. Die Federn sind aus Metall.
Zwei Stunden haben wir gebraucht um das Ganze anzuschauen, ist sehr interessant und lohnenswert.
Da der Mercado Central gleich um die nächste Ecke ist, laufen wir gleich anschließend hin.
Dann packen wir zusammen, Bruno fährt voller Elan durch die Stadt, dann biegen wir ab Richtung Jaén. Auf einer gut asphaltierten Strasse geht’s wieder in die Berge. Es hat viele Lastwagen, welche schwer beladen sind und nur langsam den Berg hoch kommen. Ich sitze am Steuer, ein Bus vor mir. Wenn er überholt, gebe ich Gas, gleich hinter her.
Irgendwie finden wir, dass unser Truck etwas anders tönt als normal!….vielleicht weil ich so rassig fahre? Der Motor läuft aber normal, nur ein „kratzendes Geräusch, das im 5. Gang verschwindet.
Einen Übernachtungsplatz finden wir auf einem grossen Platz. Wird wohl laut werden, da die Lkw’s die ganze Nacht fahren.
25. August 2025
Um drei Uhr werde ich von den Lkw geweckt. Um sechs stehen wir auf, und um acht sind wir wieder unterwegs. Es geht alles entlang dem Rio Huayllabamba mit vielen Reisfeldern.
Pferde, die sich aus einem Abfallcontainer ernähren, das habe ich auch noch nie gesehen!
Plötzlich wird Bruno ernst...
„Bist du aufnahmefähig?“, fragt mich mein lieber Mann.
„Wieso, was ist los?“
„Unser Eingangslager vom Getriebe ist vermutlich kaputt!“
„Oh, das Geräusch von gestern?“
„Yes, ma’am!“
„Okay…, wie hast du das rausgefunden?
„Ich habe gestern Abend mit ChatGPT gechattet, laut den Geräuschen zwischen den Gängen 1-4, fünf läuft normal, sechs wieder mit Geräuschen, lautet ihre Angabe: Hauptwellenlager defekt!“
Und was machen wir?"
Brunos Idee: Bis nach Ecuador fahren, dort hat er bereits eine Werkstatt gefunden. Ich bin entsetzt, das kommt für mich auf keinen Fall infrage! Wenn der Truck unterwegs liegenbleibt, auf einer engen Andenstraße, was dann? Abschleppen lassen? Niemals! Ich will, das wir in Jaén in eine Werkstatt gehen.
Also fahren wir, wann immer möglich, im fünften Gang. Zum Glück klappt das recht gut, denn die Straße ist in ordentlichem Zustand und es gibt nur wenige Lomos. Gegen elf Uhr erreichen wir Jaén, eine Stadt mit rund 70.000 Einwohnern. Die Auswahl an Truck-Werkstätten ist bescheiden, (es hat zwei) aber wir nehmen, was es gibt – und landen bei Vistony, bei Bladimir.
Bruno will gleich wieder wegfahren. Ich stelle mich stur: Auf keinen Fall, zuerst schauen wir nach. Brunos Bedenken: „Was ist, wenn sie die Ersatzteile nicht haben? Das schauen wir, wenn es soweit ist!"
Also: Getriebe runter – was schon mal ein Akt ist –, dann Vorrücklager raus, dann Hauptlager. Und tatsächlich:
Hauptwellenlager defekt.
Ersatz für die Kupplungsscheibe haben wir dabei.
Genauso für das Ausrücklager.
Getriebe: Zustand einwandfrei.
Jetzt beginnt die große Suche. Natürlich zuerst hier in Peru. Bladimir bekommt Absage um Absage. Inzwischen ist es Abend, wir gehen rein, machen Abendbrot und gehen ins Bett.
26. August 2025
8 Uhr morgens, immer noch kein Lager gefunden.
Ich setze mich vor den Laptop und schreibe meinerseits MAN-Lima an, über eine direkte WhatsApp-Nummer, die mir Marco aus Alaska zugeschickt hat. 🙏🙏🙏😘😘
Gleichzeitig kommuniziere ich mit ihm, mit Nazca-Perú, Paraguay und Ecuador.
Fünf Minuten später kommt die Info von Marco: Das Lager ist in 🇩🇪 lieferbar, sag Bescheid, wenn wir es via DHL Express schicken sollen. ❤️❤️❤️-lichen Dank – schön, solche Freunde an der Seite zu haben.
Bruno setzt sich wieder an den Laptop, sucht im „Mantis-Programm“ nach einem weiteren Ersatzteil.
Bladimir ist immer noch erfolglos.
Wir stellen eine Liste für eine Bestellung aus Deutschland zusammen, kontrollieren mit Bladimir die Nummern…Er hängt sich wieder an sein Handy, dann...
... sagt Bladimir so eher beiläufig: „Wir haben das Lager, es kommt aus Lima!“ – Wie jetzt???? Er hatte eine falsche Nummer eingegeben!!!
Wir laufen runter zum Plaza Vea, holen Geld, machen unsere Einkäufe, lassen uns zurückfahren, laufen ist lebensgefährlich, bezahlen die Ersatzteile, Bladimir bestellt sie, jetzt heißt es warten.
Bruno sichtlich erleichtert.
28. August 2025
Neues Lager – und die Herausforderung geht weiter
Heute Morgen wurden die Lager geliefert. Zunächst herrschte Freude, doch leider nur kurz: Statt der benötigten 60 mm wurden
55 mm geliefert.
Bruno wandte sich sofort an unseren MAN-Händler in der Schweiz. Die Antwort kam prompt: Dieses Lager ist nicht mehr lieferbar. Keine guten Nachrichten.
Doch aufgeben ist keine Option. Mit Brunos technischem Einfallsreichtum entstand schnell eine Idee: Die Lager könnten abgedreht werden. Nach einer Stunde, WhatsApp-Nachrichten, telefonieren und Abklärungen ruft Bladimir einen Dreher. Dieser kommt vorbei, schaut sich alles an, und bestätigt: „No hay problemas, se puede hacerlo.“
Fehlte nur noch das richtige Ausgangslager. In Lima wurden wir fündig, Bladimir bestellte sofort. Jetzt heißt es erneut: warten – aber wir sind zuversichtlich, dass wir bald die passende Lösung in den Händen halten.
Aus einem unerklärlichen Grund will Bruno ein Bild vom bestellten Lager. Sofort sieht er, es ist kein Kugellager sondern ein Rollenlager ist. Jetzt geht das Ganze wieder von vorne los!
Inzwischen baut der ‚Geselle‘ die Kupplung wieder ein, sieht aus wie neu!